Niedrigste Arbeitslosenquote seit den 80er Jahren prognostiziert

In den letzten zwei Jahren sind 6,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Bis 2009 kommen schätzungsweise weitere fünf Millionen neue Jobs hinzu. Die Arbeitslosenquote wird 2008 voraussichtlich unter 7 Prozent sinken. Das wäre das niedrigste Niveau seit Mitte der 80er Jahre.

Zu diesen Ergebnissen kommt der Gemeinsame Beschäftigungsbericht der EU-Kommission, der nun den EU-Arbeitsministern vorgelegt wird. „Die Arbeitsmarktreformen der jüngsten Zeit beginnen, Wirkung zu zeigen“, sagte EU-Beschäftigungskommissar Špidla. „Die strukturelle Arbeitslosigkeit ist seit 2004 um ein Drittel zurückgegangen und die EU-weite Beschäftigungsquote von derzeit 66 Prozent hat sich unserem Gesamtziel von 70 Prozent noch wesentlich stärker angenähert“. Gleichzeitig weist der Bericht auf anhaltende Probleme bei der Jugendarbeitslosigkeit hin und bemängelt zu geringe Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung.

Der Beschäftigungsbericht bewertet die Umsetzung der nationalen Reformprogramme für den Beschäftigungsbereich in den Mitgliedstaaten. Demnach nehmen die Beschäftigungsquoten für ältere Arbeitskräfte mit 43,5 Prozent (Zielwert 50) und für Frauen mit 57,2 Prozent (Zielwert 60) in der EU insgesamt weiterhin stark zu. Allerdings ist Europa trotz der guten Leistungen im Jahr 2006 von den Beschäftigungszielen für 2010 noch um einiges entfernt. Angesichts der derzeitigen Beschäftigungsquote müssten bis 2010 weitere 20 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn die Zielsetzung verwirklicht werden soll. Die Arbeitslosigkeit ging erheblich zurück, von 8,9 Prozent 2005 auf 8,2 Prozent 2006. Sie kam sowohl Frauen als auch Männern zugute, deren Arbeitslosenquote auf neun beziehungsweise 7,6 Prozent absank. Ein bemerkenswerter Hinweis darauf, wie stark sich die positive Arbeitsmarktentwicklung derzeit auswirkt, ist die Tatsache, dass die Langzeitarbeitslosenquote zwei Jahre hintereinander abnahm, und zwar von vier auf 3,6 Prozent.

Dagegen haben gering qualifizierte und behinderte Arbeitskräfte sowie Migranten immer noch Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Und die Jugendarbeitslosigkeit von durchschnittlich 17,4 Prozent ist in vielen Mitgliedstaaten nach wie vor problematisch. Rund die Hälfte der EU-Mitgliedstaaten hat inzwischen Konzepte entwickelt, um mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt mit Beschäftigungs­sicherheit in Einklang zu bringen. Handlungsbedarf besteht jedoch bei spezifischen Flexicurity-Komponenten: Die Arbeitsmarktsegmentierung ist noch immer ein wesentliches Problem, Reformen der Systeme der sozialen Sicherheit haben sich im Allgemeinen auf die Rentensysteme beschränkt, bei aktiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen war seit 2000 ein Rückgang der Aufwendungen zu verzeichnen und die Beteiligung am lebenslangen Lernen hat sich von 2005 auf 2006 kaum erhöht. Daher müssen dem Bericht zufolge Investitionen in das Humankapital sinnvoller auf die Arbeitsmarktbedürfnisse ausgerichtet und deutlich erhöht werden. Die am Arbeitsplatz erworbenen Qualifikationen müssen in ganz Europa anerkannt werden. Angesichts von Engpässen sowie des drängenden Arbeitskräftemangels und der Qualifikationsdefizite, die sich in immer mehr Wirtschaftsbereichen bemerkbar machen, ist es erforderlich, den künftigen Qualifikationsbedarf umfassender und sachgerechter abzuschätzen und die Entwicklungen in diesem Bereich zu verfolgen.

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