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Länderrating der osteuropäischen Staaten

Das Bonitätsrisiko eines Staates - im englischen Sovereign Risk - gibt Aufschluss über die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Staates. Eine Ausfallwahrscheinlichkeit entsteht, wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen ,,möchte`` oder nicht nachkommen ,,kann``. Hinter dem ,,möchten`` stehen politische Risiken, wie die Gefahr, dass sich eine neue Regierung weigert, alte Schulden zu begleichen. Hinter dem ,,können`` stehen volkswirtschaftliche Aspekte, die es dem Schuldner unmöglich machen, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Beide Arten von Risiken sind nicht scharf voneinander zu trennen und beeinflussen sich gegenseitig. Nicht selten folgt eine politische Instabilität einem wirtschaftlichen Abschwung und ein wirtschaftlicher Abschwung einer politischen Instabilität.

Das Bonitätsrisiko folgt aus der Beurteilung von beiden Bereichen, wobei die schlechtere Bewertung einen stärkeren Einfluss auf das endgültige Ergebnis ausübt. Wenn ein Staat beispielsweise aus wirtschaftlicher Sicht eine hohe Bonität aufweist, die politischen Verhältnisse jedoch als instabil einzustufen sind, erhält dieser Staat ein schlechtes Rating. Ein politisch instabiler Staat wird niemals ein gutes Rating erhalten, selbst wenn die volkswirtschaftlichen Bedingungen eine bessere Beurteilung rechtfertigen würden.

Investoren, die Direktinvestitionen beabsichtigen, und Anleger, die Staatspapiere erwerben möchten, stehen vor einer ähnlichen Entscheidung. Politische wie auch wirtschaftliche Rahmenfaktoren bestimmen, ob sie ihr Kapital direkt einem Staat zur Verfügung stellen bzw. in seine Wirtschaft investieren. Politische Risiken, wie etwa eine Enteignung, stellen dasselbe Gefahrenpotential dar wie eine ungünstige Relation von Währungsreserven und Auslandsverschuldung, die das Transferrisiko von Devisen erhöht. Es gibt nur wenige Entwicklungen, die in beiden Fällen zu unterschiedlichen Beurteilungen führen. Als Beispiel könnte die Bewertung einer drohenden Abwertung angeführt werden. Ein exportorientierter ausländischer Investor kann gegebenenfalls eine Abwertung in einer kurzen Frist als positiv beurteilen, da er sich etwa eine Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen Märkten erhofft. Hingegen wird ein Anleger in ausländischen Staatspapieren eine Abwertung fürchten, da dadurch die Effektivverzinsung in heimischer Währung fällt. Aber auch der Exporteur wir langfristig, spätestens zum Zeitpunkt des Transfers von im Inland erwirtschafteten Gewinnen, einer Abwertung negativ gegenüberstehen, ebenso wie der Anleger in Staatspapieren.

Aus diesem Grunde stellt das Bonitätsrisiko eines Staates eine gute Orientierungshilfe bei der Einschätzung eines Länderrisikos dar, unabhängig davon, ob das Kapital in den privaten oder öffentlichen Sektor der Volkswirtschaft investiert wird, umso mehr, da bisher keine der bekannten Agenturen ein isoliertes Rating nach Länderrisiken durchführt.


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