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Verschuldungssituation

Nachdem Bulgarien im Jahre 1990 die Tilgung der ausländischen Schuld einstellte, war es ab diesem Zeitpunkt von den internationalen Finanzmärkten isoliert. Das mit dem Londoner Club im Juni 1994 abgeschlossene Umschuldungsabkommen öffnete Bulgarien den Zutritt zu den internationalen Finanzmärkten. Die Inlandsschuld Bulgariens wurde für das Jahr 1996 auf über 40% des Bruttoinlandsproduktes geschätzt und die Auslandsschuld beträgt ca. 10 Mrd. US-$. Die Auslandschulden betrugen 90% des Bruttoinlandproduktes. Die im Jahr 1997 zu leistenden Schulden- und Zinszahlungen belaufen sich auf etwa 1 Mrd. US-$. Setzt man den für das Jahr 1997 zu leistenden Schuldendienst mit dem durchschnittlichen Jahreslohn eines Arbeiters ins Verhältnis, der im April 1997 etwa 50 US-$ betrug, wird die extreme Last der Auslandsschulden deutlich. Der für das Jahr 1997 von Bulgarien zu leistende Schuldendienst entspricht in etwa dem Jahresdurchschnittsverdienst von 1,66 Mio. bulgarischen Arbeitnehmern. Insgesamt sind in Bulgarien 3,3 Mio. Personen beschäftigt. Der Schuldendienst entspricht dem Durchschnittseinkommen von 50% der Beschäftigten.

Das Haushaltsdefizit betrug im Jahre 1996 11 Prozent und soll im Jahr 1997 bei fallenden Steuereinnahmen auf 4% zurückgeführt werden. Bemerkenswert an dem bulgarischen Staatshaushalt ist die in der Vergangenheit sehr stark angestiegene Zinsbelastung und die gefallenen Steuereinnahmen, die zusammen eine deutliche Senkung der Primärausgaben erforderlich machten.

Während das Steueraufkommen im Jahre 1994 noch 40,2% des Bruttoinlandproduktes betrug, fiel es im Jahr 1995 auf 36,1% und 1996 auf 33%. Die Zinszahlungen des bulgarischen Haushaltes stiegen hingegen von 13,6% des Bruttoinlandproduktes im Jahre 1994 auf 14,2% im Jahre 1995 und auf 19,6% im Jahre 1996. Von den gesamten Staatsausgaben im Jahr 1996 mussten 46,66 % für die Zinszahlungen aufgewendet werden. Das Haushaltsdefizit Bulgariens, erklärt sich aufgrund der exorbitant hohen Zinszahlungen, die unter anderem aus der staatlichen Übernahme der schlechten Kredite des Bankensektors resultieren, weniger dagegen aus einer verschwenderischen Fiskalpolitik.

Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass in den nächsten Jahren die Zinsbelastung wieder fällt, da ein Großteil der inländischen in Lewa denominierten Schuld infolge der durch die Inflation induzierten negativen Realverzinsung entwertet wurde, wenngleich auch ein nicht unbedeutender Teil der Inlandsschuld in US-$ denominiert ist. Das eigentliche Problem des bulgarischen Haushaltes wird in der zukünftigen Tilgung der externen Schuld liegen. In den nächsten Jahren kann kaum davon ausgegangen werden, dass Bulgarien aus eigener Kraft die Aufrechterhaltung des Schuldendienstes von 1 Mrd. US-$ pro Jahr gewährleisten kann. Der Dreh- und Angelpunkt der bulgarischen wirtschaftlichen Zukunft liegt deshalb im Außenhandel. Hohe Exportüberschüsse und Verkaufserlöse aus der Privatisierung sind notwendig, um einen Teil der Auslandsschulden begleichen zu können und um notwendige Importe für die Modernisierung des Kapitalstocks durchzuführen, die zu einer höheren Produktivität, steigenden Reallöhnen und Steuereinnahmen führen.

Hermann Schubert Last modified: Thu May 22 11:38:06 CEST 2001
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