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Currency Board

Da die bulgarische Bevölkerung und die internationalen Finanzinstitutionen kein Vertrauen mehr in die Geldpolitik der bulgarischen Regierung setzen, soll ein politisch unabhängiger Währungsrat eingesetzt werden. Die inländische Geldmenge soll durch den Bestand an Währungsreserven gedeckt werden. Eine zukünftige Ausweitung der Geldmenge ist nur bei steigenden Devisenreserven möglich. Es wird der Zentralbank in Zukunft nicht mehr möglich sein, mittels Notenpresse Kredite an die Regierung oder den mit Verlust produzierenden staatlichen Unternehmenssektor zu erteilen. Die bulgarische Regierung verliert mit der Einrichtung des Currency Board die Macht über die Geldpolitik. Anderseits ist dieser Verlust leicht hinzunehmen, da eine expansive Geldpolitik, angesichts der wirtschaftlichen Lage, eh nicht mehr durchzuführen wäre und die Einrichtung des Währungsrates zu einer erhöhten Glaubwürdigkeit führen kann. Mit dem unabhängigen Currency Board steigt immerhin das Vertrauen in die bulgarische Wirtschaft. Das könnte zu steigenden Auslandsinvestitionen und zu einer erhöhten Glaubwürdigkeit bei den internationalen Finanzinstitutionen führen25.

Das Ziel des Currency Board besteht in der schnellen Senkung der Inflationsrate und der langfristigen Fixierung des Wechselkurses der Lewa zur DM. Ebenfalls soll damit die uneingeschränkte Konvertibilität der Lewa in ausländische Währungen gesichert werden.

Laut Weltbank soll die Inflationsrate bis zum Ende des Jahres 1997 auf monatlich 2 % zurückgeführt werden, was einer durchschnittlichen Inflationsrate von ca. 30 % für das Jahr 1998 entsprechen würde.

Die Fixierung der Lewa an eine Hartwährung soll die Kalkulationsmöglichkeit von ausländischen Investoren, sowie die Umwandlung der in Bulgarien erzielten Gewinne in anderen Währungen ermöglichen. Kredite, die in US-$ aufgenommen wurden, werden ebenso wie die Importpreise keinen astronomischen Schwankungen aufgrund der Wechselkursveränderungen ausgesetzt sein. Es ist davon auszugehen, dass dadurch die Inflation abgeschwächt wird, da durch eine Fixierung ständige Abwertungen der Lewa, die zu steigenden Importpreisen und Inflationsraten führen, verhindert werden.

Die Wechselkursfixierung stabilisiert zudem die Importpreise und nimmt der Inflation den Druck der durch eine Abwertung erfolgten Erhöhung der Importpreise.

Mitte Mai stand der Wechselkurs bei ca. 1.600 Lewa per US-$. Mit der Einrichtung des Currency Board muss ein Wechselkurs gesetzt werden. Dabei sollte der Lewa-Wert weder zu hoch noch zu niedrig gesetzt werden. In der jetzigen wirtschaftlichen Situation ist Bulgarien auf Devisenzuflüsse in Form von ausländischen Direktinvestitionen und Leistungsbilanzüberschüssen abhängig. Ein zu starke Lewa würde die US-$ Preise der Privatisierungsobjekte erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit der bulgarischen Exportindustrie schwächen.

Ein zu niedriger Wechselkurs würde die Importpreise erhöhen und die Inflationsstabilisierung gefährden.

Der Wechselkurs von 1.600 Lewa per US-$ scheint etwas überbewertet. Wir gehen davon aus, dass die Lewa mit der Einrichtung des Currency Board eher ein wenig unterbewertet wird, da eine schwache Lewa die Wahrscheinlichkeit eines Devisenzuflusses, mit dem die externe Schuld getilgt und der Currency Board mit den erforderlichen Währungsreserven ausgestattet werden kann, steigen lässt. Eine Aufrechterhaltung des gesetzten Wechselkurses ist für die Vertrauensbildung in die Lewa essentiell. Der Currency Board muss deshalb über genügend Währungsreserven verfügen, um spekulative Angriffe gegen die Lewa erfolgreich neutralisieren zu können.

Funktionieren kann ein solches System aber nur, wenn unterstützende fiskalpolitische und strukturelle Maßnahmen ergriffen werden. Diese Maßnahmen wurden gemäß dem vom IWF und der Weltbank ausgearbeitetem Stabilisierungs- und Reformprogramm definiert.

Hermann Schubert Last modified: Thu May 22 11:38:06 CEST 2001
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