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Mit der Einführung des Currency Board im Sommer 1997 soll sich das wirtschaftliche Umfeld in Bulgarien stabilisieren. Ein konstanter Wechselkurs und eine stabile Inflationsrate sollen die Voraussetzungen für die volkswirtschaftliche Gesundung setzten. Optimismus hinsichtlich der zukünftige Wirtschaftsleistung und des Lebensstandards der Bevölkerung ist dagegen nicht gegeben. Bulgarien wird auch in den nächsten Jahren einen schmerzhaften Weg zu beschreiten haben.
Eine merkliche Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage kann deshalb nicht erwartet werden. 70% der bulgarischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Realisierung des von der Weltbank und IWF ausgearbeiteten Wirtschaftsprogramms wird eine enorme kurz- bis mittelfristige Belastung der bulgarischen Volkswirtschaft herbeiführen, da die Arbeitslosigkeit drastisch steigen wird. Die reale Kaufkraft der bulgarischen Bevölkerung wird in den nächsten 3 Jahren nur für die Deckung des Lebensunterhaltes ausreichen. Eine vom privaten Sektor ausgehende merklich ansteigende Güternachfrage ist nicht zu erwarten. Eine Erhöhung der staatlichen Nachfrage ist in nächster Zeit ebenso unrealistisch. Dem Staatshaushalt sind durch die Vorgaben des Wirtschaftsplanes enge Grenzen auferlegt worden. Der bulgarische Staat muss bei fallenden Steuereinnahmen sein Budgetdefizit zurückführen. Die stark fallenden Staatseinnahmen werden angesichts der kritischen sozialen Lage Bulgariens für die Aufrechterhaltung der Minimalversorgung der Bevölkerung verwendet werden müssen. Zudem bestehen die internationalen Finanzinstitutionen weiterhin auf der regelmäßigen Tilgung der bulgarischen Auslandsschuld, was eine enorme Belastung für die bulgarische Volkswirtschaft darstellt. Devisenerlöse aus Exporten, mit denen dringend benötigte Importe von Investitionsgüter finanziert werden könnten, werden für die Tilgung der Auslandsschuld verwendet werden müssen. Die jetzige Schuldenlast wird eindeutig die volkswirtschaftliche Entwicklung Bulgariens beeinträchtigen. Ein Teilschuldenerlass und Zinsmoratorium kann deshalb auch im langfristigen Interesse der Gläubiger liegen, wenn es dadurch gelingt die Rückzahlungswahrscheinlichkeit zu erhöhen26. Die Rückzahlwahrscheinlichkeit steigt, wenn es Bulgarien gelingt, einen selbständigen Wachstumsprozess einzuleiten. Die zunehmende Öffnung der bulgarischen Märkte wird den Konkurrenzdruck für die heimische Produktion erhöhen. Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ist deshalb dringend notwendig. Dazu müssen Investitionsgüter importiert werden. Nur so kann ein Wachstumsprozess eingeleitet werden, der zu höheren Staatseinnahmen führt und die mittelfristige Zahlungsfähigkeit Bulgariens verbessert.
In den nächsten Jahren ist der bulgarische Markt aufgrund der niedrigen Kaufkraft und der geringen Größe relativ uninteressant. Für die deutsche Investitionsgüterindustrie könnte der bulgarische Markt jedoch mittelfristig interessante Perspektiven eröffnen, da der Nachholbedarf enorm ist.
Eine Verlagerung von arbeitsintensiven Produktionsstätten nach Bulgarien kann sich trotz der relativ ungünstigen geographischen Lage jedoch auch kurzfristig lohnen, da das Reallohnniveau sehr niedrig, dagegen der Ausbildungsstand der bulgarischen Bevölkerung sehr hoch ist. Auch mittelfristig sind aufgrund der stark ansteigenden Arbeitslosigkeit keine starken Reallohnerhöhungen zu erwarten. Der Export von in Bulgarien produzierten Waren in den EG-Binnenmarkt ist unproblematisch, da Bulgarien seit dem 01.02.1995 ein assoziiertes Mitglied der EG ist und deshalb EU-Zölle und mengenmäßige Beschränkungen von industriellen Erzeugnissen weitgehend aufgehoben wurden.
Hermann Schubert
Last modified: Thu May 22 11:38:06 CEST 2001
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