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Kommissionsbericht (2002) zum Beitritt Estlands
Nach der durch die russische Krise verursachten abrupten Verlangsamung der
Wirtschaftstätigkeit im Jahr 1999 konnte sich das Land in den beiden
Folgejahren wieder erholen. Das durch erhebliche, vor allem vom Ausland
finanzierte Investitionen, den privaten Verbrauch und Nettoeinfuhren
angetriebene und durch eine nachhaltige Produktivitätsentwicklung sowie eine
solide Wirtschaftspolitik gestützte Wachstum belief sich im Zeitraum
1997-2001 im Durchschnitt auf 5,2%. Ein so kräftiges Wachstum mitten während
einer wirtschaftlichen Flaute in der EU und den Vereinigten Staaten in den
Jahren 2000/2001 ist bemerkenswert. Erhebliche Wachstumsfluktuationen, die
von fast 10% im Jahr 1997 bis zu -0,6% im Jahr 1999 reichten, führten jedoch
zu beträchtlichen Schwankungen des Haushaltsdefizits und der Leistungsbilanz.
Der gesamtstaatliche Haushaltssaldo betrug zwischen 1997 und 2001 im Schnitt
-0,5% des BIP, erreichte aber 1999 wegen der schwachen Wirtschaftstätigkeit
ein Defizit von 4%. Ungeachtet der während des gesamten Zeitraums 1997-2001
konstant defizitären Leistungsbilanz (-7,8%) führten die großen
Wachstumsschwankungen zu beträchtlichen Fluktuationen auch bei der Außen- und
insbesondere der Handelsbilanz. Die 1997 mit etwa 9% recht hohe Inflation
ging bis 1999 zurück, stieg dann aber 2001 auf 5,6%. Im gesamten Zeitraum
konnte Estland seine ,,Currency-Board``-Regelung beibehalten, und der reale
effektive Wechselkurs, bei dem 1998 während der russischen Krise eine
erhebliche Aufwertung zu verzeichnen war, blieb seit 1999 relativ stabil.
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Main Economic
Trends |
|
Estland |
|
1997 |
1998 |
1999 |
2000 |
2001 |
Durchschnitt |
2002 (letzter
Stand) |
|
Reales BIP-Wachstum |
in % |
9.8 |
4.6 |
-0.6 |
7.1 |
5.0 |
5.2 |
3.2 Q1 |
|
Inflationsrate |
|
|
|
|
|
|
|
|
| -
Jahresdurchschnitt |
in % |
9.3 |
8.8 |
3.1 |
3.9 |
5.6 |
6.1 |
4.5
Juli1 |
| -
Dezember/Dezember |
in % |
10.9 |
5.2 |
3.7 |
5.0 |
4.2 |
5.8 |
3.3 Juli |
|
Definition der
Arbeitskräfteerhebung |
in % |
10.6 |
9.6 |
11.7 |
13.2 |
12.4 |
11.5 |
9.4 Q2 |
|
Gesamtstaatlicher
Haushaltssaldo |
in % des BIP |
2.0 |
-0.4 |
-4.0 |
-0.4 |
0.2 |
-0.5 |
|
|
Leistungsbilanzsaldo |
in % des BIP |
-12.1 |
-9.1 |
-5.7 |
-6.2 |
-6.1 |
-7.8 |
|
|
in Mio
ECU/EUR |
-497 |
-429 |
-277 |
-348 |
-3782 |
-386 |
-394
Jan.-June3 |
|
Bruttoauslandsverschuldung der
Volkswirtschaft, Relation Schulden/Ausfuhren |
in % der Ausfuhr v. Waren
u. Dienstleistungen |
32.3 |
41.2 |
36.3 |
28.1 |
: |
: |
|
|
in Mio ECU/
EUR |
1,031 |
1,5344 |
1,367 |
1,465 |
: |
: |
|
|
Zufluss ausländischer Direktinvestitionen,
Zahlungsbilanzdaten |
in % des BIP |
5.8 |
11.0 |
5.8 |
8.0 |
9.7 |
8.1 |
|
|
in Mio
ECU/EUR |
235 |
513 |
284 |
435 |
603 |
414 |
261
Jan.-Juni5 |
| Quellen:
Eurostat, estnische Quellen, OECD-Statistiken über die
Auslandsverschuldung. |
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-
Gleitender 12-Monats-Durchschnitt der prozentualen
Veränderungen.
- Quelle:
Internetseiten der Nationalbank.
- Quelle:
Internetseiten der Nationalbank.
-
Zeitreihenbruch infolge gewisser Definitionsänderungen.
- Quelle:
Internetseiten der Nationalbank.
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Die Strukturreformen wurden mit hohem Tempo fortgeführt, wenn auch mit
nicht gleichmäßig verteilten Fortschritten. Die Privatisierung öffentlicher
Unternehmen wurde größtenteils abgeschlossen, und weder für einheimische noch
für ausländische Unternehmen bestehen nennenswerte Marktzutrittsschranken.
Die Reform der Rentenversicherung zeitigte mit der Umsetzung der zweiten
Säule, die 2002 abgeschlossen sein soll, beträchtliche Fortschritte; eine
unabhängige Finanzaufsichtsbehörde wurde Anfang 2002 eingerichtet. Bei der
Landreform und der Reform des Gesundheitswesens wurden jedoch nur langsame
Fortschritte gemacht, und die Pläne zur Privatisierung des Energiesektors
wurden ad acta gelegt.
Trotz des kräftigen wirtschaftlichen Aufschwungs in der EU im Zeitraum
1997-2000 und der erheblichen negativen Auswirkungen der russischen Krise auf
das BIP-Wachstum in Estland näherte sich das Pro-Kopf-Einkommen dem EU-Niveau
stark an. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftstandards
erreichte 2001 42,3% des EU-Durchschnitts. Daran werden die guten
Fortschritte bei der Anpassung an das Einkommensniveau der EU deutlich. Trotz
der geringen Größe des Landes bleibt das regionale Gefälle akut: im Nordosten
und Süden des Landes beträgt das Pro-Kopf-Einkommen knapp weniger als 40% des
Einkommensniveaus im Norden. Auch bei der Schaffung von Arbeitsplätzen waren
in einigen Landesteilen kaum Erfolge vorzuweisen, was teilweise auf die
regionalen Wachstumsunterschiede zurückzuführen ist. Trotz des Rückgangs der
Arbeitslosenquote insbesondere seit dem Jahr 2000 bleiben die regionalen und
altersbedingten Unterschiede erheblich; die durchschnittliche
Arbeitslosenquote reichte von 17,5% im Nordosten bis 10% in den westlichen
Landesteilen, lag aber unter den Jugendlichen (zwischen 15 und 24 Jahren) mit
ungefähr 20% fast doppelt so hoch wie unter der übrigen erwerbstätigen
Bevölkerung. Bei den Frauen lag sie andererseits mit durchschnittlich 10,6%
nur unwesentlich unter der Durchschnittsquote der Männer (12,3%). Die
Beschäftigungsquote - ungefähr 63% im Zeitraum 1997-2001 - folgte einem
ähnlichen Muster, ging während des Berichtszeitraums zurück, stieg aber 2001
leicht an.
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Wichtige
Strukturindikatoren der Wirtschaft 2001 |
|
Bevölkerung (Durchschnitt) |
in Tsd. |
1,364 |
|
BIP (pro Kopf)1 |
KKS |
9,800 |
|
in % des
EU-Durchschnitts |
42 |
|
Anteil der
Landwirtschaft2 an
der: |
|
|
| -
Bruttowertschöpfung |
in % |
5.8 |
| -
Beschäftigung |
in % |
7.1 |
| -
Bruttoanlageinvestitionen/BIP |
in % |
26.1 |
|
Bruttoauslandsverschuldung der
Volkswirtschaft/BIP3 |
in % |
26.8 |
|
Ausfuhr von Waren und
Dienstleistungen/BIP |
in % |
90.6 |
|
Bestand an ausländischen |
in Mio/EUR |
2,8434 |
|
Direktinvestitionen |
in EURpro
Kopf5 |
2.084 |
|
Langzeitarbeitslosenquote |
in % der
Erwerbsbevölkerung |
5.8 |
|
- Den
Berechnungen wurden die Bevölkerungszahlen der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zugrunde gelegt, die sich von
denen der Bevölkerungsstatistik unterscheiden können.
-
Landwirtschaft, Jagd, Forstwirtschaft und Fischerei.
- Daten
von 2000.
- Daten
von 2000.
- Den
Berechnungen wurden die Bevölkerungszahlen der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zugrunde gelegt, die sich von
denen der Bevölkerungsstatistik unterscheiden können.
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© Europäische Kommission; Last modified 2003-05-03
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