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Wirtschaftliche Entwicklung

Polens Wirtschaftswachstum hat sich in erster Linie auf Grund binnenwirtschaftlicher Faktoren deutlich verlangsamt. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum stieg im Jahr 2000 real um 4% an, wobei in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres eine deutliche Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit eintrat, die sich in diesem Jahr fortsetzte. Vor dem Hintergrund einer kräftigen Entwicklung der Ausfuhren spiegelt die Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums einen Rückgang der Inlandsnachfrage und insbesondere des Verbrauchs der privaten Haushalte wider, der in einer strafferen Geldpolitik, einem gemäßigten Anstieg der Reallöhne und steigender Arbeitslosigkeit begründet ist. Eine Reihe der im Regelmäßigen Bericht des vergangenen Jahres aufgeführten makroökonomischen Ungleichgewichte sind zurückgegangen: Obwohl die durchschnittliche jährliche Inflationsrate 10,2% im Jahr 2000 gegenüber 7,3% 1999 betrug, hat sich der Rückgang der Inflation jetzt beschleunigt. Das Leistungsbilanzdefizit ist von 7,5% des BIP im Jahr 1999 auf 6,3% im Jahr 2000 geschrumpft. Diese Entwicklung vollzieht sich allerdings auf Kosten eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit und des Haushaltsdefizits.


Tabelle 1: Wesentliche Wirtschaftsdaten
Polen   1996 1997 1998 1999 2000 2001 (letzter Stand)

Reales BIP-Wachstum

% 6.0 6.8 4.8 4.1 4.0 0.9 Q2
Inflationsrate1              
- Jahresdurchschnitt % 19.9 14.9 11.8 7.2 10.1 6.92 Sep.
- Dez. bis Dez. % 18.6 13.3 8.5 9.8 8.4 4.33 Sep.
Arbeitslosenquote bei Jahresende IAO-Definition % 12.3 11.2 10.6 13.9 16.1 18.2 Q1
Haushaltssaldo % des BIP -2.3 -4.3 -2.4 -2.1 -3.5 :
Leistungsbilanzsaldo % des BIP -2.3 -4.0 -4.4 -8.1 -6.3 :
  in Mio ECU/EUR -2,571 -5,065 -6,156 -11,716 -10,788 5,6604 Jan-Aug
Auslandsverschuldung - Verhältnis Schulden/Ausfuhren % 118.9 110.7 96.3 119.0 87.7 :
Bruttoauslandsschulden in Mio ECU/EUR 32,711 35,884 38,308 45,267 46,739 :
Ausländische Direktinvestitionen Zahlungsbilanzdaten % des BIP 3.1 3.4 4.0 4.7 5.3 :
  in Mio ECU/EUR 3,542 4,328 5,677 6,821 8,996 4,0155 Jan-Aug
               
1 PROXY HICP (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) seit 1997 (siehe Erläuterungen zur Methodik).
2 12monatige durchschnittliche Veränderungsrate, Nationaler Verbraucherpreisindex.
3 Nationaler Verbraucherpreisindex.
4 Quelle: Website der Nationalbank.
5 Quelle: Website der Nationalbank.

Privatisierung und Strukturreformen schreiten in Polen weiter voran. Die derzeitige Privatisierung großer staatseigener Betriebe in einer Vielzahl von Branchen (Energieversorgung, Erdöl- und Chemieindustrie, Kohlebergbau, Branntweinherstellung, Schiffbau) ist ermutigend. So waren im Jahr 2000 165 Direktverkäufe und 15 Verkäufe allein bis Ende März 2001 zu verzeichnen. Die Privatisierungserlöse werden nach wie vor zur Finanzierung der vier großen Sozialreformen von 1999 (die Renten-, Gesundheits- und Bildungsreform sowie die territoriale Neugliederung und die damit einhergehende größere Dezentralisierung) eingesetzt. Obwohl diese Reformen kostspielig sind und ihre Durchführung in einigen Fällen nach wie vor schwierig ist (wie im Falle der Reform des Rentensystems), bilden sie die Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum.


Tabelle 2: Wichtige Indikatoren der Wirtschaftsstruktur 2000
Bevölkerung (Durchschnitt) In Tausend 38.646
Pro-Kopf-BIP1 PPS 8.700
  % des EU-Durchschnitts 39
Anteil der Landwirtschaft2 an der    
- Bruttowertschöpfung % 3,3
- Beschäftigung; % 18,8
Investitionen/BIP3 % 25,3
Bruttoauslandsverschuldung4 % 27,3
Ausfuhr von Waren und Dienstleis-tungen/BIP % 31,2
Gesamtvolumen der ausländischen Direktinvestitionen in Mio. EUR 25,9565
  Europro Kopf6 6717
     
1 Die Zahlen wurden auf der Grundlage der Bevölkerungszahlen der Nationalen Gesamtrechnungen berechnet; sie können von den Zahlen in Bevölkerungsstatistiken abweichen.
2 Landwirtschaft, Jagd, Forstwirtschaft und Fischerei.
3 Die Zahlen beziehen sich auf die Bruttoanlageinvestitionen (% des BIP).
4 Schätzungen zu Folge.
5 Die Zahlen wurden auf der Grundlage der Bevölkerungszahlen der Nationalen Gesamtrechnungen berechnet; sie können von den Zahlen in Bevölkerungsstatistiken abweichen.
6 Stand der Daten: 1999.
7 Stand der Daten: 1999.

Polen holt in realen Zahlen auf; doch das zurückgehende Wachstum verschärft das Problem der hohen und weiterhin ansteigenden Arbeitslosigkeit. Die polnische Wirtschaft hat im Unterschied zur Mehrheit der anderen Transformationsländer ein substanzielles und nachhaltiges Wachstum erfahren. Das Pro-Kopf-BIP gemessen in Kaufkraftstandards ist von weniger als 34% 1995 beständig angestiegen und erreichte im Jahr 2000 39,2% des EU-Durchschnitts. Allerdings gibt es beträchtliche regionale Unterschiede: BIP-Daten polnischer Regionen zu Folge lag im Jahr 2000 das Pro-Kopf-BIP in vier östlichen Woiwodschaften (Regierungsbezirke) unter 77% des nationalen Durchschnitts; die Arbeitslosenrate erreichte in diesen Bezirken einen Höchststand von 24,5%, während in Warschau quasi Vollbeschäftigung herrschte. Die Erwerbsquote (2000: 56,6%) nimmt für Männer und Frauen weiter ab: im Jahr 2000 betrug sie 61,2% für die Männer und 49,3% für die Frauen. Die Arbeitslosigkeit ist von etwa 12,5% 1999 auf 16% im Jahr 2000 und 18,2% in den ersten drei Monaten 2001 angestiegen, wobei die Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen (35%) und ungelernten Arbeitnehmern besonders hoch ist.


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