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Bewertung an Hand der Kopenhagener Kriterien

Funktionsfähige Marktwirtschaft

Voraussetzung für das Bestehen einer funktionsfähigen Marktwirtschaft ist, dass Preise und Außenhandel liberalisiert sind und ein durchsetzbares Rechtssystem vorhanden ist, das auch die Eigentumsrechte regelt. Makroökonomische Stabilität und ein breiter Konsens über die wesentlichen Elemente der Wirtschaftspolitik verbessern die Leistungsfähigkeit einer Marktwirtschaft ebenso wie ein gut entwickelter Finanzsektor und das Fehlen größerer Hemmnisse für den Markteintritt und -austritt.

Auf breiter politischer Front besteht Einigkeit über die politischen Maßnahmen zur Verankerung des Transformationsprozesses und zur Vorbereitung des EU-Beitritts herrscht, jedoch die Koordinierung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen verschlechterte sich im vergangenen Jahr. Die politischen Entscheidungsträger sind zunehmend unterschiedlicher Auffassung über die Ursachen der jüngsten makroökonomischen Schwierigkeiten und die Risikobilanz für die Zukunft. Auf Grund dieser Divergenzen wurde der wirtschaftspolitische Koordinierungsprozess zwischen den Währungs- und den Finanzbehörden ausgesetzt; das Ungleichgewicht im Policy-mix konnte nicht korrigiert werden. Polen ist seinen OECD-Verpflichtungen, den Kapitalverkehr endgültig zu liberalisieren, nicht nachgekommen. Im Oktober 2001 hat Polen der Kommission sein Wirtschaftsprogramm für die Heranführungsphase vorgelegt, damit dieses im Rahmen des erst jüngst eingerichteten wirtschaftlichen Dialogs mit EU-Mitgliedstaaten bewertet und erörtert werden kann.

Durch die deutliche Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit seit dem zweiten Halbjahr 2000 beträgt das Wachstum für das gesamte Jahr 2000 etwa 4%. Der private Verbrauch, der 2000 etwa 67% des BIP ausmachte, stieg im Jahr 2000 um lediglich 2,4% an (gegenüber kräftigen 5,4% 1999). Schätzungen zu Folge ist der Investitionszuwachs, der 1999 6,5% betrug, auf 3,1% im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Investitionsquote hingegen ist mit mehr als 25% des BIP nach wie vor hoch. Die sinkende Rentabilität der Unternehmen hemmt den gesamtwirtschaftlichen Aufschwung. Im ersten Halbjahr 2001 stieg das BIP um 1,6% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2000 an. Die Investitionsausgaben sind im ersten Halbjahr 2001 gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2000 sogar um 3,4% zurückgegangen. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit, hoher Zinsraten, einer Verlangsamung des Wachstums und einer gewissen politischen Unsicherheit ist das Vertrauen der Verbraucher und der Investoren geschwunden.

Das größte Ungleichgewicht der polnischen Volkswirtschaft ist die hohe Arbeitslosenrate. Die Arbeitslosigkeit nach der IAO-Definition erreicht heute eine Quote von über 18%. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise in Russland hat eine weitere Runde im Arbeitsplatzabbau stattgefunden; dies hat zwar zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit beigetragen, führte aber zu einer ständig ansteigenden Arbeitslosigkeit und einem damit einhergehenden Rückgang der Inlandsnachfrage. Ein großer Teil der Arbeitslosen erhält keinerlei Arbeitslosenunterstützung oder -hilfe. Im Jahr 2000 ist die Gesamtbeschäftigung um 3% zurückgegangen. Zwar hat der Arbeitsmarkt nicht stagniert, doch konnten die neuen Arbeitsplätze die Zahl der abgebauten Arbeitsplätze auf Grund mangelnder fachlicher Kenntnisse und geringer Mobilität nicht ausgleichen. Es ist sogar von einer Verschärfung des Problems auszugehen, da die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zunimmt und die noch in der Landwirtschaft Beschäftigten in naher Zukunft auf den Arbeitsmarkt strömen werden. Die Erwerbsquote hat im Jahr 2000 mit 56,6% einen Tiefstand erreicht.

Die Inflation ist beständig zurückgegangen. Der Verbraucherpreisindex (nationaler Verbraucherpreisindex) fiel von 8,5% im Dezember 2000 auf 4,3% im September 2001. Dies spiegelt nicht nur die Schwäche der Inlandsnachfrage wider sondern auch eine Umkehr des exogenen Anstiegs der Lebensmittel- und Brennstoffpreise, die sich negativ auf die Preisentwicklungen im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres ausgewirkt hatten. Die Inflation lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 10,2% (Proxy Harmonisierter Verbraucherpreisindex).

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich die Frage nach der Angemessenheit des geldpolitischen Kurses zu einem der wichtigsten politischen Themen. Nach einer spürbaren Straffung der monetären Bedingungen im vergangenen Jahr leitete der Rat für Geldpolitik eine neue Runde schrittweiser Zinssenkungen ein (450 Basispunkte seit Jahresanfang). Seit der Freigabe des Wechselkurses der polnischen Währung ist dieser im Wert gestiegen, was vor allem auf die hohen realen Zinssätze zurückzuführen ist. Dies hat wiederum zu einer Straffung der monetären Bedingungen beigetragen, obwohl seit Juli 2001 am Zloty eine Korrektur nach unten vorgenommen wird.

Polen hatte im Jahr 2000 einen lobenswerten Grad der Konsolidierung seiner öffentlichen Finanzen erreicht, aber 2001 hat sich die Haushaltslage verschlechtert. Die gesamtstaatliche Nettokreditaufnahme (das gesamtstaatliche Defizit gemäß den harmonisierten EU-Standards - ESA 95) war seit Mitte der 90er Jahre gesenkt worden; Schätzungen zu Folge soll sie aber im vergangenen Jahr wieder auf 3,5% des BIP angestiegen sein[*]. Allerdings teiltendie Behörden im Mai 2001 mit, sie hätten ihre Vorhersagen für das vergangene Jahr auf der Grundlage einer anderen (GFS-kompatiblen) Berechnungsgrundlage deutlich nach unten korrigiert. Dieser Berechnung zu Folge wäre im Jahr 2000 ein ganz beträchtlicher Grad an Haushaltskonsolidierung erreicht worden. In diesem Jahr ist das Haushaltsdefizit weiter angestiegen, was hauptsächlich auf die Auswirkungen des abgeschwächten Wachstums und der niedrigeren Inflationsraten auf die Einnahmen zurückzuführen ist. Im Juli revidierte die Regierung die Zielvorgabe für das gesamtstaatliche Defizit auf 3,9% des BIP. Die zahlreichen Sonderhaushalte und -abteilungen hatten im Jahr 2000 nicht die gleichen negativen Auswirkungen auf die Finanzpolitik insgesamt wie in der Vergangenheit, aber die Notwendigkeit, das Finanzmanagement dieser Haushalte und Abteilungen besser in die regulären Verfahren für Staatsausgaben zu integrieren, besteht nach wie vor.

An der finanzpolitischen Front wird es mittelfristig weitere strukturelle Herausforderungen geben: Steuererleichterungen, Festlegung einer angemessenen Zielvorgabe für den Abbau des Haushaltsdefizits durch Kürzung der laufenden Staatsausgaben und Schaffung von Spielraum für höhere Investitionsausgaben. In dieser Phase des Reformprozesses ist dies nur über eine tiefgreifende Reform des Sozialversicherungswesens in Polen zu erreichen (zur Freisetzung der sogenannten festen Elemente`` des Haushalts). Transfers an private Haushalte machen grob gesehen die Hälfte der gesamtstaatlichen Ausgaben oder etwa 20% des BIP aus. Im Rahmen der Sozialausgaben dürfte noch Spielraum sein für eine Verschärfung der Kriterien zur Festlegung des Anspruchs auf Sozialleistungen bei Erwerbsunfähigkeit und im Krankheitsfall. Erste Reformen in diesen beiden Bereichen haben bereits zu Einsparungen geführt, weitere Änderungen der Kriterien wären aber durchaus denkbar. Auch dem Rentensystem für die in der Landwirtschaft Beschäftigten (KRUS) mangelt es an Zielvorgaben und Anreizen (einem pauschalen Beitragssatz stehen großzügige, nicht den Haushaltsmitteln entsprechende Leistungen gegenüber). KRUS wird nach wie vor mit Mitteln aus dem Staatshaushalt in Höhe von etwa 2% des BIP unterstützt.

Der Policy-mix muss neu ausgewogen werden. Im Jahr 2000 hätte durch straffere finanzpolitische Maßnahmen eine weitere Lockerung der Geldpolitik ermöglicht werden sollen, um eine weitere Fortsetzung der derzeitigen Abschwächung der Inlandsnachfrage zu verhindern. Diese setzt sich im Jahr 2001 fort, sofern an den Etatszielen auf der Ausgabenseite festgehalten wird und das korrigierte Defizit automatische Stabilisatoren auf der Einkommensseite widerspiegelt.

Die Entwicklung des Außenhandels ist nach wie vor bemerkenswert. Der Anstieg des Exportvolumens im Jahr 2000 wurde auf 15% geschätzt. Im ersten Quartal dieses Jahres betrug der reale Exportzuwachs noch immer beeindruckende 18% im Vergleich zum ersten Quartal 2000. Steigende Exporte und zurückgehende Importe erlaubten eine Korrektur der Leistungsbilanz. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Leistungsbilanzdefizit von 7,5% des BIP im Jahr 1999 auf ein komfortableres Niveau von 6,3%. Hinzu kommt, dass das Leistungsbilanzdefizit bislang weitgehend durch schuldenneutrale Kapitalzuflüsse in Form von ausländischen Direktinvestitionen finanziert wird.

Die Preise sind weitgehend liberalisiert; der große Wohlstand ist dem privaten Sektor zu verdanken. Der private Sektor erwirtschaftet mehr als 70% des BIP und stellt 72% der insgesamt vorhandenen Arbeitsplätze, hält aber nur die Hälfte des Anlagevermögens der Wirtschaft. Lediglich die Preise für Arzneimittel, Strom und Brennstoffe sowie für Wohnungsmieten werden nach wie vor staatlich festgesetzt; im Falle der Vermietung werden Instandhaltungskosten oder sonstige Aufwendungen bei der Preisfestlegung berücksichtigt. Die Landwirtschaft ist weitgehend privatisiert, wenngleich der Umstrukturierungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Ende März 2001 hatte die staatliche Stelle für Agrarbesitz 95% des zu Beginn des Transformationsprozesses übernommenen Agrarlands veräußert oder verpachtet.

In Polen gibt es keine nennenswerten rechtlichen oder institutionellen Hindernisse für Firmenneugründungen; Eigentumsrechte und deren Übertragbarkeit sind rechtlich festgelegt. Obwohl wirtschaftliche Tätigkeiten durch einen gewissen Grad an Bürokratie und Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Gerichtsentscheiden behindert werden, herrscht ein insgesamt unternehmerfreundliches Klima. Im Jahr 2000 wurden laut Handelsregister per saldo über 12 000 Firmen gegründet, was rund 9% der im Handelsregister insgesamt eingetragenen Unternehmen entspricht. Seitdem im vergangenen Jahr das Gesetz über Wirtschaftstätigkeiten, das Gesetz über die Vereinfachung der Eintragung neuer Firmen und die Vereinfachung des Gesetzes über die Zollvorschriften in Kraft getreten sind, verfügt Polen über angemessene Rahmenbedingungen für die Gründung neuer Unternehmen.

Das wichtigste bislang nicht gelöste Problem ist die Umsetzung der Rahmenbedingungen für Konkurs und Marktaustritt. Zwar stieg die Zahl der im Jahr 2000 bei Gericht eingereichten Konkursverfahren um 41% (mehr als 4000 neue Fälle), doch gibt es nach wie vor Schwierigkeiten in Bezug auf den Gläubigerschutz und Banksicherheiten. Den Handelsgerichten mangelt es noch immer an Ressourcen und Fortbildungsmöglichkeiten, die ein effizienteres Arbeiten gewährleisten könnten. Das am 1. Januar 2001 in Kraft getretene neue Handelsgesetzbuch kommt Großunternehmen und ihrer Konsolidierung durch Zusammenschlüsse oder Übernahmen nicht nur in Bezug auf die Konkursabwickelung zu Gute.

Das neue Handelsgesetzbuch dürfte auch zu einer besseren Unternehmensführung beitragen. Es hat zahlreiche rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Anteilseignern in Bezug auf die strategische Führung einzelner Unternehmen gegeben, insbesondere in Fällen, in denen ein strategischer Investor eine Minderheitsbeteiligung besitzt und der Staat stiller Mehrheitsaktionär bleibt oder Sonderrechte genießt. Das neue Handelsgesetzbuch, das Mehrstimmrechtsaktien verbietet und mehr Vorrechte im Rahmen der jährlichen Aktionärsversammlungen vorsieht, wird zu höheren Standards in diesem Bereich beitragen. Weitere Anstrengungen zum Schutz der Rechte von Minderheitsaktionären sind gleichwohl erforderlich und sollten durch die schrittweise Entwicklung des Aktienmarktes und der Rolle der Rentenfonds unterstützt werden.

Der Finanzsektor entwickelt sich rasch, wenngleich das Ausgangsniveau niedrig war. Der Bankenmarkt wird von Geschäftsbanken beherrscht (mit 72% der Aktiva und 73% der Nettoanleihen im Jahr 2000). Zwar sind nur noch sieben Banken in staatlichem Besitz, doch die PKO Bank Polski SA und die Bank Gospodarstwa Krajowego (BGK) SA spielen nach wie vor eine bedeutende Rolle (sie halten mehr als 30% der gesamten Bankeinlagen). Eines der Hauptmerkmale des Sektors ist, dass er von ausländischem Kapital kontrolliert wird. Ende letzten Jahres stellten 46 Banken mit mehrheitlich ausländischem Kapital 69,6% des Gesamtvermögens des Sektors.

Die Zahl der über Finanzintermediäre getätigten Transaktionen ist nach wie vor niedrig. Während die Aktiva der Banken Ende des Jahres 2000 etwa 62% des BIP ausmachten, betrug der Anteil des Kreditvolumens im Verhältnis zum BIP noch immer etwa 28%. Mit einer Kapitalausstattung von weniger als 19% des BIP steckt der polnische Aktienmarkt noch in den Anfängen. Auch der Rentenmarkt ist klein, dürfte sich aber parallel zur Zunahme institutioneller Anleger entwickeln. Durch den zunehmenden Wettbewerb geraten díe im Bankensektor erzielten Gewinne unter Druck. Auch im Bereich der Privatkundengeschäfte sehen Banken sich zunehmender Konkurrenz durch Nichtbanken-Finanzunternehmen gegenüber. Die Zinsspanne war mit 6,7% im Jahr 2000 immer noch relativ hoch.

Auf kurze Sicht besteht keine unmittelbare Bedrohung für die Stabilität des Finanzsektors. Die Kapitalausstattung der Banken war bislang angemessen; die Regulierungs- und Aufsichtsvorschriften sind in der jüngsten Vergangenheit aktualisiert worden. Insbesondere die Vorlage von Rechtsvorschriften zur Änderung des Bankgesetzes war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung; das neue Gesetz ermächtigt Inspekteure, die Aufsicht auf konsolidierter Basis durchzuführen. Lediglich der in den vergangenen zwei Jahren zu beobachtende drastische Rückgang der Aktivaqualität gibt dem Bankensektor derzeit Anlass zur Sorge. Ende 2000 war der Anteil der risikobehafteten Kredite (einschließlich der Kategorien nicht den Normen entsprechende Kredite, ungewisse Verbindlichkeiten, notleidende Kredite) an den Krediten insgesamt auf 14.7% angestiegen; vor dem Ausbruch der Krise in Russland hatte dieser Anteil bei etwa 10% gelegen.

Die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck und den Marktkräften innerhalb der Union standzuhalten

Die Fähigkeit, dieses Kriterium zu erfüllen, hängt von der Existenz einer Marktwirtschaft und eines stabilen makroökonomischen Rahmens ab, der den Wirtschaftsakteuren Planungssicherheit ermöglicht. Es setzt ferner ausreichendes Human- und Sachkapital voraus, einschließlich einer angemessenen Infrastruktur. Staatliche Unternehmen müssen umstrukturiert werden, und alle Unternehmen müssen Investitionen zur Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit tätigen. Die Unternehmen werden um so anpassungsfähiger sein, je leichter sie Zugang zur Außenfinanzierung haben und je erfolgreicher sie in bezug auf Umstrukturierung und Innovation sind. Insgesamt kann man sagen, dass eine Volkswirtschaft die aus der Mitgliedschaft erwachsenden Verpflichtungen um so besser erfüllen kann, je stärker sie bereits vor dem Beitritt in die Wirtschaft der Europäischen Union integriert ist. Der Grad der Handelsintegration lässt sich am Volumen und der Breite der mit EU-Mitgliedstaaten gehandelten Erzeugnisse ablesen.

Im Falle Polens wurde ein ausreichender Grad an makroökonomischer Stabilisierung für einen ausreichend langen Zeitraum beibehalten, um ,,verzerrende`` Entscheidungen der Marktbeteiligten zu verhindern. Polen hat eine funktionierende Marktwirtschaft.

Polen gibt sich selbst die Mittel, um ein für den internationalen Wettbewerb gerüstetetes Humankapital aufzubauen. In den vergangenen zehn Jahren hat der Gesamtprozentsatz der Anmeldungen für die höhere Schule und die Hochschule zugenommen, wenn auch der Prozentsatz der Hochschulimmatrikulationen mit 28% für das Studienjahr 1999/2000 ziemlich niedrig war. Polen investiert weiterhin in die allgemeine und berufliche Bildung seiner künftigen Arbeitskräfte. Der Anteil der Staatsausgaben für Bildung als Prozentsatz vom BIP (über 5%) und als Prozentsatz der öffentlichen Ausgaben insgesamt (über 11%) wurde in diesem Zeitraum auf einem international angemessenen Niveau beibehalten. In den letzten Jahren wurde der Anteil der Investitionsausgaben an den öffentlichen Ausgaben für Bildung insgesamt deutlich erhöht. Der Großteil dieser Ausgaben floss in die Grundschulausbildung. Die Umstrukturierung der Arbeitskräfte und die Nachfrage nach neuen Kenntnissen und Fähigkeiten erfordern allerdings größere Anstrengungen im Hochschulbereich. Lediglich etwa 7% der Bevölkerung besitzen einen Hochschul-abschluss, und der Anteil der Ausgaben für die Hochschulbildung an den öffentlichen Ausgaben für Bildung insgesamt ist ziemlich konstant geblieben (etwa 16%). Den Zahlen und dem noch relativ niedrigen Studenten-Lehrer-Verhältnis von 14 zu 6 im Jahr 1998 nach zu urteilen wird das Hochschulsystem durch stärkere Anstrengungen im Hochschulbereich nicht unmittelbar unter Druck geraten. In welchem Umfang die Reform des Bildungssystems von 1999 dazu beigetragen hat, die vom Arbeitsmarkt der polnischen Volkswirtschaft benötigten Fachkräfte auszubilden, wird zu einem späteren Zeitpunkt zu bewerten sein.

Fest steht jedoch, dass die Arbeitsmärkte besser funktionieren müssen, um auf das Tempo der Arbeitskräftefreisetzung und Unternehmensumstrukturierungen reagieren zu können. Das Problem der Arbeitslosigkeit lässt sich nur mit Hilfe von Maßnahmen zur Arbeitsplatzförderung angehen. Neben lohnkostenbezogenen Aspekten (die Steuerlast, mangelnde Differenzierung beim Mindestlohn), über die ein breiter Konsens zu bestehen scheint, gehören der Fachkräftemangel und der verkehrs- und wohnungsbedingte Mobilitätsmangel der Arbeitskräfte zu den Komponenten, die den Abbau der Arbeitslosigkeit hemmen. Und obwohl über die Ursachen Einigkeit herrscht, vertreten die politischen Entscheidungsträger unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Lösungen; auch die Änderung der Rechtsvorschriften, die zwecks größerer Flexibilität der Arbeitsgesetzgebung (eines der möglichen Reformziele) erforderlich ist, hat keine Stimme im Parlament gefunden.

Nach einem mehr als ein halbes Jahrzehnt anhaltenden Investitionsboom muss Polen seine Verkehrsinfrastruktur und andere wichtige Anlagen ausbauen, um Wachstumsengpässe zu vermeiden. Die Investitionsquote betrug im Jahr 2000 25,3% des BIP, ein seit 1998 weitgehend beständiger Prozentsatz, der in der Mitte des letzten Jahrzehnts allerdings eher bei 20% lag. Angesichts der Fortschritte bei den Unternehmensumstrukturierungen und den Strukturreformen in den letzten Jahren scheint die Effizienz und damit die Rendite dieser Investitionen angemessen zu sein. Im Jahr 2000 machten die staatlichen Investitionsausgaben etwa 2,9% des BIP aus; dieser Prozentsatz liegt etwas unterhalb dem der vorangegangenen Jahre (1997 und 1998: 3,6% des BIP und 1999: 3,2% des BIP). Für 2001 ist im Haushaltsgesetz eine Zielvorgabe von 3,1% des BIP vorgesehen. Bei Erreichen dieses Ergebnisses befände Polen sich oberhalb des EU-Durchschnitts, aber unterhalb der EU Staaten mit einem unterdurchschnittlichen Pro-Kopf-BIP. Der Ausbau der Infrastruktur für Telekommunikationsdienste schreitet voran und schlägt sich in einem raschen Zuwachs bei den Mobilfunktelephonen und einem anhaltenden Anstieg der Zahl der Pro-Kopf-Festnetzanschlüsse (283 auf 1000 Einwohner) nieder. Im vergangenen Jahr konnte auch beim Autobahnbau ein bedeutender Aufschwung verzeichnet werden.

Die Zuströme ausländischer Direktinvestitionen (ADI) sind hoch; diese Investitionen tragen maßgeblich zu einer Anhebung des technischen Niveaus und der Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Wirtschaft bei. Im Jahr 2000 beliefen sich die als Bargeld verbuchten Zuflüsse auf fast 9 Mrd. EUR; damit lag der Betrag etwas unter dem von 1999. Polen ist es auf Grund der Größe und des Potenzials seines Binnenmarktes gelungen, wenn auch verspätet, den größten Teil der ausländischen Direktinvestitionen in sein Land zu lenken. Die Summe der Zuströme betrug Ende vergangenen Jahres 26 Mrd. EUR, was pro-Kopf-mäßig noch nicht besonders viel ist. Außerdem stand ein Großteil dieser Investitionen im Zusammenhang mit Privatisierungen. Die Herausforderung wird darin bestehen, die Zuflüsse auch nach Vollendung des größten Teils des Privatisierungsprogramms beizubehalten, wobei der Verkauf der unattraktivsten Sektoren sich schwierig gestalten kann. Bislang war der Anteil der Investitionen im Zusammenhang mit Neugründungen an den ADI gering. Im März dieses Jahres nahm die Regierung eine Strategie zur Investitionserhöhung an; dem Parlament wurde ein Gesetzentwurf zur Investitionsförderung vorgelegt, aber es lässt sich schwer einschätzen, ob die Tragweite dieser Initiativen ausreichend ist und ob sie nicht zu Verzerrungen führen.

Bei der Umstrukturierung der staatseigenen Betriebe sind wurden im Kohlesektor Fortschritte erzielt. Die Umstrukturierung des Stahlsektors wird erwartet; die Annahme des Gesetzes zur Umstrukturierung des Stahlsektors im Juli 2001 und das Umstrukturierungsprogramm für die Eisen- und Stahlverhüttung, das die polnische Regierung im Juni dieses Jahres verabschiedet hat, sind Schritte in die richtige Richtung. Ein weiterer Test für die Zukunft wird die Umstrukturierung der polnischen Eisenbahn PKP sein, der ein äußerst langwieriges parlamentarisches Verfahren zur Schaffung des rechtlichen Rahmens vorangegangen war. Die Umstrukturierung des Agrarsektors stagniert ebenfalls und wird in naher Zukunft politische Antworten erfordern, auf deren Grundlage die in ländlichen Gebieten freigesetzten Arbeitnehmer von anderen Wirtschaftszweigen aufgenommen werden können. Zu den derzeitigen Hindernissen für ein reibungsloses Funktionieren der Agrarland- und Arbeitskräftemärkte in ländlichen Gebieten zählen zurückgehende Mobilität der Arbeitskräfte, zeitliche Verzögerung der Flurbereinigung und eine Zunahme der landwirtschaftlichen Produktivität. Einige dieser Hemmnisse sind auch sozialpolitischer Art wie die ,,negativen`` Anreize der Steuer- und Leistungssysteme (z.B. im Rentensystem für die Landwirtschaft KRUS).

Kleine und mittlere Unternehmen sind die treibende Kraft der Wirtschaft, leiden aber immer noch unter einem niedrigen Innovationsniveau und Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzmitteln. Der KMU Sektor stellt zwei Drittel der Arbeitsplätze insgesamt und erwirtschaftet die Hälfte des BIP und der Ausfuhren. Die meisten polnischen Unternehmen finanzieren Investitionen noch immer mit Hilfe eingehaltener Gewinne. Handelsbanken vergeben nur in äußerst begrenztem Umfang Kredite an KMU: Die zehn größten börsennotierten Unternehmen erhalten mehr als 10% aller Bankkredite. Als Folge des größeren Wettbewerbs zwischen Banken scheint sich dies aber zu ändern; viele Finanzinstitute sind heute gezwungen, sich in neue, risikoreichere Marktsegmente zu begeben. Bürgschaftsregelungen für KMU und andere Systeme zur Förderung des Zugangs zu Finanzmitteln müssen erst noch eine kritische Masse erreichen; darüber hinaus scheinen sie Mikrounternehmen in ländlichen Gegenden nicht in ausreichendem Maße zu erreichen.

Obwohl staatliche Interventionen auf den polnischen Märkten nach wie vor eine Seltenheit sind, bestehen einige Probleme fort. Hauptursache für Marktverzerrungen sind nach wie vor staatliche Beihilfen an private und staatliche Unternehmen; allerdings nähert sich Polen seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes über staatliche Beihilfe im Januar 2001 den internationalen Standards in diesem Bereich an. Versteckte Beihilfezahlungen an den staatlichen Sektor erfolgen in Form von beträchtlichen Zahlungsrückständen bei Steuern und Sozialabgaben. Zahlungsrückstände staatlicher Unternehmen gegenüber anderen staatlichen Unternehmen zeigen die Notwendigkeit einer größeren Finanzdisziplin in dem Sektor. Darüber hinaus gibt es erhebliche nichttarifäre Hemmnisse. Die Palette der ungelösten Probleme reicht von der Komplexität und mangelnden Transparenz in Normungs- und Zertifizierungsfragen bis hin zu der Tatsache, dass einige Zollvorschriften nicht einheitlich anwendet werden.

Polens Wirtschaft ist größer und daher stärker binnenwirtschaftlich ausgerichtet als die Wirtschaft anderer Beitrittsländer. Trotzdem ist der Grad seiner Handelsintegration mit der EU sehr hoch. Ein Indikator dafür ist der Anstieg des Prozentsatzes der Aus- und Einfuhren von Waren und Dienstleistungen zum BIP von durchschnittlich 26% in den vergangenen vier Jahren auf 69,3% im Jahr 2000. Die Warenexporte in die EU machen 70% der Ausfuhren insgesamt aus.

Zwar machen Produkte mit höherer Wertschöpfung nach wie vor nur einen geringen Teil der polnischen Ausfuhren aus, doch die Entwicklung ist positiv; sie deutet auf eine Verlagerung zu Gunsten von Waren hin, deren Herstellung kapital- und fachkräfteintensiv ist. Elektroindustrie- und Maschinenbauerzeugnisse machen 37,4% der polnischen Exporte in die EU aus (gegenüber 32,8% 1999). Polen erschließt neue Bereiche für Exportspezialisierungen (z.B. Kfz-Motoren); der derzeitige Grad des intra-industriellen Handels zeigt die Auswirkungen der ausländischen Direktinvestitionen auf die Erhöhung der Fertigungs- und Exportkapazitäten Polens. Dies und ein starker Anstieg der Arbeitsproduktivität seit dem Ausbruch der Krise in Russland hat es Polen ermöglicht, seine außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit trotz einer realen Aufwertung des Wechselkurses gegenüber seinem wichtigsten Handelspartner beizubehalten. Im Jahr 2000 erfuhr der reale effektive Wechselkurs des Zloty (gegen den der Rat für Geldpolitik deflationäre Maßnahmen ergriffen hatte) eine Wertsteigerung von etwa 9%.


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