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Im Unterdorf3. Tag, Dienstag, 28.05.2002 Wir sind den zweiten Tag hier und es kommt uns schon vor als wären wir Wochen da. Unser erster Eindruck im Unterdorf, dem Teil des Dorfes, wo die Zigeuner wohnen, ist ziemlich extrem. Mit Scharen von Kindern an den Händen ziehen wir umher und suchen uns Arbeitsziele für die nächsten drei Wochen. Wir kommen an kaum einem Haus vorbei, das unsere Hilfe nicht hätte gebrauchen können. Einige Frauen, die vor ihren Häusern sitzen, winken uns herein, um uns ihr Zimmer zu zeigen, und bitten uns, zu helfen. Die Familien leben zum Teil zu siebt oder acht in einem Raum, wohl möglich, dass er auch als Stall genutzt wird, mit undichtem Dach und einer verfaulten Wand. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Menschen den Winter hier mit -30°C überleben. Wir entscheiden uns dann für vier Häuser, deren Familien Kinder auf der Waldorfschule haben. Die Jungs fangen gleich an, ein Zimmer auszuräumen, das von einem Schwein und zwei Kindern bewohnt wird. Andere beginnen das kaputte Dach des ersten Hauses abzureißen. Sofort gesellt sich ein junger Zigeuner dazu und lacht unsere Jungs erstmal aus. Später sehen wir noch oft mit wieviel Geschick und Kraft die Zigeunerjungen handwerklich arbeiten. Während die Jungs schon arbeiten, hängen an uns Mädchen die ganzen Kinder. Sie nehmen uns bei der Hand, küssen und umarmen uns und begleiten uns den ganzen Tag. Überhaupt wirken viele Menschen hier sehr offen und grüßen uns auf der Straße. Am Abend erzählt uns Lisa, ein Mädchen aus Freiburg, 20 Jahre, von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr hier in Rosia (wobei sie in Sibiu wohnt). Wie sich herausstellt, hat sie es in dieser ruhigen Atmosphäre und Offenheit doch sehr genossen, und vor dem hektischen Deutschland schon etwas Angst. Bereits nach 2 Tagen kann ich das gut nachvollziehen. Selina Koblin Last modified: 2002-12-26 |
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