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Der Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner

5. Tag, Donnerstag, 30.05.2002

Da es regnete konnten wir heute unsere Arbeit an den Zigeunerhäusern in Rosia nicht fortsetzen, und beschlossen daher, die evangelische Kirche zu besuchen und uns mit dem Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner bekannt zu machen.

Nach einem 5 Minuten Fußmarsch gelangten wir zur Kirche, die erhöht in einem verwilderten Garten zwischen riesigen Bäumen liegt. Schon beim Betreten konnte man die Atmosphäre der 800 Jahre alten Kirche spüren.

Noch sehr beeindruckt erzählte uns Herr Schlattner als erstes ausführlich vom Besuch unseres Bundesinnenministers Otto Schily in Rosia. Er beglückwünschte uns zu ihm. Anschließend lies Herr Schlattner noch einmal in sehr eindringlichen Bilder die Kirchengemeinde lebendig werden, die sich leider auf fünf Gemeindemitglieder reduziert hat, da die anderen alle 1991 nach Deutschland ausgewandert sind. Makaber: Die Särge für die letzten 5 verbliebenen Mitglieder stehen schon in der Kirche bereit. Seit 1991 finden auch keine Gottesdienste mehr statt, außer den Begräbnissen. Nach unserem Aufenthalt in der Kirche wurden wir noch ins Pfarrhaus eingeladen, ebenfalls in dem verwilderten Garten gelegen und anscheinend sehr alt. Hier erfuhren wir einiges über Herrn Schlattners Lebenslauf und über seine Bemühungen den Zigeunerfamilien zu helfen.

Anschließend bestiegen wir die durch den Regen etwas nassen Pferdekutschen und genossen die Fahrt über die für Herrn Schily geteerte Straße. Da ich das Glück hatte, mit Herrn Schlattner in einer Kutsche zu fahren, lernte ich durch ihn eine etwas wohlhabendere Zigeunerfamilie kennen, welche er mit Geld unterstützt, damit die älteste Tochter (17 Jahre) das Gymnasium in Sibiu besuchen kann. Durch das Fehlen der Kirchengemeinde ist eine von Herr Schlattners heutigen Tätigkeiten die geistliche Betreuung von Gefangenen. So erhielten wir auch noch einen Einblick in die Verhältnisse in rumänischen Gefängnissen.

Voller Eindrücke und bewusst darüber, welch ein Glück wir mit unseren Lebensumständen haben, kehrten wir durch den Regen wieder in die Waldorfschule zurück.

Ruben Peters

Last modified: 2002-12-26

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