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Ein neuer Dachstuhl für Marias Haus6. Tag, Freitag, 31.05.2002 7.00 Uhr, die Tür öffnet sich, ein lauter Schrei tönt durch das Zimmer: »AUFSTEHEN!!!« Ein paar Körper zucken zusammen, dann kehrt wieder Ruhe ein. 7.20 Uhr, erneut öffnet sich die Tür, und der gleiche Schrei tönt durch den Raum, langsam und träge beginnen sich einige Körper in eine einigermaßen haltende Senkrechte zu bewegen. 7.30 Uhr, Frühstück! Müde Gesichter beginnen die erste Mahlzeit des Tages einzunehmen, der Kaffee hilft beim Wachwerden. Heute steht an, einen neuen Dachstuhl für Marias Haus zu errichten und das erste Haus mit einem Gemisch aus Erde, Wasser und etwas Tierfäkalien zu verputzen. Einige Mädchen nehmen sich der Arbeit des Verputzen an, ohne dass sie von der Verputzmischung wissen, während eine Gruppe von Jungs sich daran macht, den Dachstuhl bei Maria zu errichten. Das Wetter ist angenehm, die Sonne scheint heiß, und ein kühler Wind weht einem um die Ohren. Der Dachstuhl wird langsam von über das ganze Gesicht grinsenden Jungs mit einem Blick zum Nachbarhaus errichtet, an dem etwas weniger fröhliche Mädchen mit bloßen Händen die Fäkalien-Putzmischung an die Hauswand klatschen. Mittag, Zeit für die tägliche Pause und vor allem für ein ordentliches Mittagessen. Danach halten einige ein kleines Schläfchen und ein paar andere spielen hellwach Fußball. Nach dieser Pause geht es wieder an die Arbeit. Gegen Abend spielt sich im Zigeunerdorf vor unseren Augen etwas für uns Erstaunliches und Ungewöhnliches ab: Ein kleiner Junge hatte sich auf Marias Grundstück einen Kratzer geholt; daraufhin stürmte nach kurzer Zeit der Vater des Jungen, ein kleinwüchsiger Schrank mit angeschwollener Halsschlagader, mit einem Holzstock in der Hand auf Marias Haus zu. Wir alle waren vollkommen perplex, Frau Berg jedoch stellte sich mutig dem Angreifer in den Weg und entriss ihm mit einem Rückwertssalto, einem Seitendreher und geschicktem Griff den Holzstock aus der Hand. Der Mann beschimpfte daraufhin Maria und zog wütend mit seinem Sohn ab. Am Abend, bei der täglichen Besprechung der Klasse, machten wir uns Gedanken über diesen Vorfall, und uns wurde klar, was für eine Spannung im Dorf herrscht, da jeder wollte, dass wir bei seinem Haus etwas erneuern oder reparieren. Das Dorf hält insgesamt vielleicht zusammen, aber dennoch denkt jeder als Erstes an sein eigenes Wohl. Nach der Besprechung stürmten alle in Richtung des Krämerladens neben der Schule - es war Freitag, d.h. Wochenende! Nachdem jeder in gemütlicher Runde sein kühles rumänisches Bier getrunken hatte machte sich langsam die Müdigkeit des anstrengenden Arbeitstags bemerkbar und die Klasse zog Richtung Matratzenlager - nach kurzer Zeit hörte man nur noch durchdringendes Schnarchen aus dem Raum erklingen, dann kehrte Ruhe ein, in der 4. Klasse. Philipp Heubeck Last modified: 2002-12-26 |
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