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Fest

19. Tag, Donnerstag, 13.06.2002

Heute soll das große Abschlussfest steigen. Alle sind gespannt mit den Vorbereitungen beschäftigt, Ruben, Michael und ich warten auf die beiden Ferkel, die gegrillt werden sollen. Auch Herr Kraus bastelt schon an zwei Spießen, in der Sorge, dass Michaels Vater nicht rechtzeitig mit dem professionellen Spieß aus Deutschland eintrifft.

Beim Magazin wurde Bier bestellt, 4 Kästen, und wir sind gerade damit beschäftigt, sie in den Kühlschrank zu räumen, als die Schweine eintreffen. Sofort rennen wir nach draußen, aber leider müssen wir noch auf den Bauern warten, der sie für uns schlachtet. Bezahlt wird der Bauer mit ein wenig Geld und den Innereien. Wir helfen Tische raus zu tragen, dann beauftragt uns Herr Kraus mit dem Herstellen von Brennholz. Wir holen einige Sägen und beginnen dicke Baumstämme zu zerkleinern - auch nach 3 Wochen Rumänien noch schmerzhaft anstrengend. Sehr schnell haben uns aber die rumänischen Jugendlichen das Werkzeug aus der Hand genommen, sie können unsere Ungeschicklichkeit offensichtlich nicht länger ertragen. Also gehen wir Fußballspielen.

Später ist der Metzger dann da und wir gehen rüber auf einen Hof. Dort haben die Schweine schon Lunte gerochen und drücken sich ängstlich in den Ecken herum. Der Rumäne begrüßt uns, zündet sich eine Zigarette an, prüft sein Messer, packt ein Schwein an den Ohren und zerrt es aus dem Stall. Auf dem Hof kniet sich der Rumäne darauf, sagt uns, wir sollen die Hinterläufe festhalten und fixiert den Kopf. Nach einiger Diskussion schnappt sich Michael die Haxn und der Rumäne sticht dem Schwein in die Gurgel, das daraufhin laut quietscht. Dann lässt er es verbluten und schnappt sich das nächste.

Michael reicht es inzwischen und diesmal halten Ruben und ich es fest. Alles läuft genauso ab wie beim ersten Mal -­ bis auf einen Unterschied: Dieses Schwein hat das andere sterben sehen und quietschte dementsprechend lauter.

Nun werden die Borsten mehrmals mit Stroh abgebrannt, das eine Schwein zuckt dabei noch, und anschließend wird es mit einem Messer abgeschabt.

Das gewaschene Schwein wird ausgenommen und schließlich auf den Spieß gesteckt. Tobi und ich tragen es rüber, was bei einigen Entsetzen hervorruft.

Nachdem die Schweine fertig gewürzt sind, kommen sie über die Glut und zwei Rumänen drehen die beiden Spieße die nächsten fünf Stunden. Ruben, Michael und ich denken uns, dass wir für heute genug gearbeitet haben, besonders geistig durch die Schockverarbeitung, und setzen uns für die nächsten Stunden zu einem Spaziergang ab. Wir entdecken ein wahnsinnig schönes Plätzchen unterhalb des Berges mit einer phantastischen Aussicht.

Als wir wiederkommen sind die Schweine so gut wie fertig, und alle Familien, bei denen wir gearbeitet haben, sind da. Wir schnappen uns ein Bier, und dann beginnt das große Fest.

Die Spanferkel werden in Stücke geschnitten und zwischen Fladenbrot gelegt. Dann gehen wir mit Tabletts durch die Menge, wobei wir immer nur etwa 5 Meter weit kommen, dann ist alles weg. Auch das Bier ist nach 10 Minuten vergriffen.

Eigentlich wollten wir das Fest unten auf dem Dorfplatz stattfinden lassen, leider ist es dort aber zu gefährlich. Also machen wir es auf dem Schulgelände. Und selbst hier ist die Bürgerwehr mit ihren langen Knüppeln zugegen, und die Polizei fährt hin und wieder vorbei. Die Stimmung ist aber gut, und es kommt zu keinen Zwischenfällen. Als die Schweine in Rekordzeit aufgegessen sind, verschwinden allerdings alle Leute. Nur einige Kinder bleiben noch, und so machen wir unser eigenes kleine Fest.

Olaf Spaarmann

Last modified: 2002-12-26

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