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Kommissionsbericht (2002) zum Beitritt der Slowakei

2.2. Zusammenfassung der wirtschaftlichen Entwicklungen seit 1997

Seit der Krise von 1998 hat die Slowakei die makroökonomische Stabilität wiederhergestellt, obwohl erneut Unausgewogenheiten aufgetreten sind. Nachdem die makroökonomische Situation in 1997-1998 unhaltbar geworden war, betrieb die Regierung eine restriktivere Steuerpolitik und schaffte es, das Leistungsbilanzdefizit in 1999-2000 um mehr als die Hälfte zu senken. Gleichzeitig sank das reale BIP-Wachstum auf 1,3 % in 1999, hat seitdem jedoch wieder stetig zugenommen. Die Inflation wurde in den einstelligen Bereich zurückgedrängt. Die Arbeitslosigkeit ist stark gestiegen, im Wesentlichen aufgrund des zeitweiligen Wachstumsrückgangs, beschleunigter Unternehmensumstrukturierung und aufgrund von Mängeln im Arbeitsmarktmechanismus. Seit 2001 wurde die Finanzpolitik erneut zunehmend expansiv, und es entstanden erhebliche Handels- und Leistungsbilanzdefizite. Die Slowakei hat bereits zahlreiche strukturelle Finanzreformen durchgeführt, aber viele notwendige Maßnahmen, insbesondere auf der Ausgabenseite, stehen noch an. Das Leistungsbilanzdefizit wird gemildert durch die Art seiner Finanzierung, einen kürzlichen Anstieg der Devisenreserven und, zumindest in 2001, durch die starke zugrunde liegende Zunahme der Investitionsausgaben in einem grundlegend verbesserten strukturellen Umfeld. Allerdings haben sich die Investitionen seitdem abgeschwächt, und der Verbrauch wurde der dominierende Wachstumsfaktor mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Importe und die Nachhaltigkeit des Leistungsbilanzdefizits.
Wichtige Wirtschaftstrends
Slowakei 1997 1998 1999 2000 2001 Durchschnitt 2002 (letzter Stand)
Reales BIP-Wachstum in % 5.6 4.0 1.3 2.2 3.3 3.3 3.9 Q1
Inflationsrate
- Jahresdurchschnitt in % 6.0 6.7 10.8 12.3 : : :
- Dezember/Dezember in % 6.3 5.7 14.1 8.4 6.41 8.2 2.02
Arbeitslosenquote, Definition der Arbeitskräfteerhebung in % 11.8 12.5 15.9 19.1 19.4 15.7 19.4 Q1
Gesamtstaatlicher Haushaltssaldo in % des BIP -5.7 -4.7 -6.4 -12.8 -5.6p -7.0p
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP -9.3 -9.7 -5.7 -3.6 -8.8 -7.4
in Mio ECU/EUR -1,725 -1,893 -1,088 -772 -1,9603 -1,488 -859 Jan.-Mai4
Bruttoauslandsverschuldung der Volkswirtschaft, Relation Schulden/Ausfuhren in % der Ausfuhr v. Waren u. Dienstleistungen 53.7 65.0 67.8 45.6 : :
in Mio ECU/EUR 5,603 7,5535 7,707 6,978 : :
Zufluss ausländischer Direktinvestitionen, Zahlungsbilanzdaten in % des BIP 0.8 2.6 1.6 10.9 6.3 4.4
in Mio ECU/EUR 154 504 306 2,317 1,4146 939 229 Jan.-Mai7
Quellen: Eurostat, slowakische Quellen, OECD-Statistiken über die Auslandsverschuldung
1 Nationaler VPI
2 Nationaler VPI
3 Quelle: Webseite der Nationalbank
4 Quelle: Webseite der Nationalbank
5 Zeitreihenbruch infolge technischer Definitionsänderungen
6 Quelle: Webseite der Nationalbank
7 Quelle: Webseite der Nationalbank

Seit 1998 konnten von der Slowakei sehr gute Fortschritte bei der strukturellen Festigung ihrer Wirtschaft erzielt werden, der Prozess ist jedoch noch nicht beendet. Die Umstrukturierung und Privatisierung des übernommenen, größtenteils zahlungsunfähigen öffentlichen Bankensektors, mit der 1999 begonnen wurde, ist so gut wie abgeschlossen. Parallel hierzu wurden die meisten verbleibenden Nichtfinanz-Staatsunternehmen privatisiert. Ergriffen wurden Maßnahmen zur Schaffung von Rahmenbedingungen für die gesunde Entwicklung des Privatsektors und zur Förderung der Unternehmensumstrukturierung; weitere Schritte sind jedoch notwendig. Der rechtliche Rahmen wurde erheblich verbessert. Die Fähigkeit zur effizienten Umsetzung kommt nicht so gut voran. Entscheidende Verbesserungen der Arbeitsmarktmechanismen fehlen ebenfalls nach wie vor.

Das Pro-Kopf-Einkommen der Slowakei in Prozent des EU-Durchschnitts ist konstant geblieben, und es gibt innerhalb des Landes weiterhin erhebliche Unterschiede bei den allgemeinen Lebensbedingungen und der Arbeitslosigkeit. Das Pro-Kopf-Einkommen nach Kaufkraftstandards betrug in 2001 über 48 % des EU-Durchschnitts. Die regionale Verteilung schwankt 1999 zwischen 39 % im Osten der Slowakei und 95 % im Raum Bratislava. Die Erwerbsquote stieg von 69 % in 1999 leicht auf 70,4 % in 2001, während die Beschäftigtenzahl von 58 % auf 56,7 % sank. Die Arbeitslosenquote stieg im 1. Quartal 2002 von 11,8 % in 1997 auf 19,4 % der Arbeitskräfte (Arbeitsmarktstatistik). Im gleichen Zeitraum stieg die Arbeitslosenquote bei den unter 25-Jährigen von 21,7 % auf 38,9 % sowie bei den Männern von 10,9 % auf 20,1 % und bei den Frauen von 12,8 % auf 18,6 %. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen belief sich 2001 auf 58,3 % aller Arbeitslosen im Vergleich zu 47,6 % in 1999. Angesichts des starken Zusammenhangs zwischen Arbeitslosigkeit und sozialen Verhältnissen dürften sich diese in den letzten Jahren etwas verschlechtert haben. Wenn man jedoch die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Daten berücksichtigt, dürfte das soziale Netz die meisten sozialen Härten abfedern.


Wichtige Strukturindikatoren der Wirtschaft 2001
Bevölkerung (Durchschnitt) in Tsd. 5,380
BIP (pro Kopf) 1 KKS 11,100
in % des EU-Durchschnitts 48
Anteil der Landwirtschaft2 an der:
- Bruttowertschöpfung in % 4,6
- Beschäftigung in % 6.3
- Bruttoanlageinvestitionen/BIP in % 31.9
Bruttoauslandsverschuldung der Volkswirtschaft/BIP3 in % 33.4
Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen/BIP in % 75.9
Bestand an ausländischen in Mio EUR 2,8014
Direktinvestitionen in EURpro Kopf 5 521
Langzeitarbeitslosenquote in % der Erwerbsbevölkerung 11.3
1 Den Berechnungen wurden die Bevölkerungszahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zugrunde gelegt, die sich von denen der Bevölkerungsstatistik unterscheiden können.
2 Landwirtschaft, Jagd- und Forstwirtschaft und Fischerei.
3 Die Angaben beziehen sich auf 2000.
4 Die Angaben beziehen sich auf 1999.
5 Den Berechnungen wurden die Bevölkerungszahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zugrunde gelegt, die sich von denen der Bevölkerungsstatistik unterscheiden können.

© Europäische Kommission; Last modified 2003-04-16
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