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Fragen zum mgl. EU-Beitritt der Türkei

Hauptmerkmale der türkischen Wirtschaft

Die Türkei gilt als Land mittleren Einkommens auf niedrigem Niveau. Ihr Pro-Kopf-BIP liegt im Vergleich zu dem der EU relativ niedrig. Das Pro-Kopf-BIP nach Kaufkraftstandards lag 2003 bei 28,5 % des EU-25 Durchschnitts, vergleichbar mit dem Bulgariens und Rumäniens. In derzeitigen Preisen ausgedrückt entsprach das türkische BIP rund 2 % des BIP der EU-25 bzw. knapp der Hälfte dessen der zehn neuen Mitgliedstaaten.

Mit ihren rund 70 Mio. Einwohnern entspricht die Türkei weitgehend den zehn neuen Mitgliedstaaten zusammen und stellt 15,5 % der EU-25 Bevölkerung. Der demografische Trend weicht erheblich von dem der derzeitigen Mitgliedstaaten ab und weist ein jährliches Bevölkerungswachstum von 1,8 % aus, verglichen mit 0,2 % in der EU-25. Die rückläufigen Bevölkerungswachstumsraten werden die jetzige Bevölkerungsstruktur allerdings, ähnlich dem derzeitigen Trend in den meisten Mitgliedstaaten, langfristig in die einer alternden Gesellschaft verwandeln.

Zwei Drittel der türkischen Bevölkerung leben in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Großstädten. In diesen Städten erfolgt 80 % der gesamten Wertschöpfung. Viele Menschen aus ländlichen Gebieten wandern nach Istanbul und in andere Großstädte ab. Kennzeichnend für die Türkei sind große regionale Disparitäten, die weitgehend einem Ost-West-Schema folgen. Die reichsten Regionen liegen im Westteil des Landes, die ärmsten dagegen an der Ostgrenze. Kocaeli als reichste Region und wichtiger Industriestandort weist ein Pro-Kopf-BIP von über 90 % über dem nationalen Durchschnitt auf (46 % des EU-Durchschnitts). Am anderen Ende des Spektrums weisen die ärmsten Regionen Agri und Van lediglich rund ein Drittel des nationalen Pro-KopfBIP auf (8 % des EU-Durchschnitts).

Diese Einkommensdisparitäten spiegeln sich in der Branchenstruktur der Regionen wider. In den reicheren Regionen haben Industrie und Dienstleistungen einen hohen Anteil an Produktion und Beschäftigung, während in den meisten anderen Regionen die Landwirtschaft den wichtigsten Einkommens- und Beschäftigungsträger darstellt.

Nach Anfang der 1960er Jahre fand infolge der aktiven Rekrutierungspolitik einiger europäischer Länder eine erhebliche Abwanderung aus der Türkei statt. Seit den 1980er Jahren gingen netto rund 40 000 bis 60 000 Personen ins Ausland, was rund 0,2 % der derzeitigen Arbeitskraft entspricht. Im Jahr 2002 waren in der EU-15 rund 3 Mio. türkische Staatsangehörige offiziell gemeldet.

In den letzten Jahrzehnten durchlief das Land mehrere makroökonomische und finanzielle Krisen, zuletzt 1994 sowie Ende 1999 und Anfang 2001. Diese gestalteten die aggregierte Wirtschaftaktivität in hohem Maße volatil und behinderten den Wachstumsrhythmus insgesamt. Seit 2001 wurden viele Fortschritte bei der Stabilisierung der Wirtschaft und Bekämpfung der Ursachen dieser Krisen der letzten Jahrzehnte erzielt. Besonders sichtbar ist dies an dem erneuten Wachstumskurs und der stark rückläufigen Inflation. Dieser Stabilisierungsprozess ist jedoch noch nicht abgeschlossen, und es bleiben einige Unausgewogenheiten wie etwa die Ausweitung des Außenhandelsdefizits zu korrigieren. Die weitere Umsetzung von Strukturreformen würde nicht nur zur Vermeidung von Stabilitätskrisen beitragen, sondern es der Türkei auch erlauben, sein Wachstumspotenzial zu verwirklichen oder sogar zu steigern.

© Europäische Kommission 10/2004

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