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Fragen zum mgl. EU-Beitritt der Türkei

Größenordnung und Struktur

Die Landwirtschaft ist für die Türkei gesellschaftlich und wirtschaftlich von herausragender Bedeutung. Über die Hälfte des Gebietes der Türkei - rund 79 Mio. Hektar - wird landwirtschaftlich genutzt; das entspricht im Großen und Ganzen dem Durchschnitt der EU-27 (48 %). Deshalb würde der türkische Beitritt die landwirtschaftliche Fläche der EU um rund 39 Mio. Hektar erweitern, was 23 % der landwirtschaftlichen Fläche der EU 25 entspricht. 2003 war rund ein Drittel der Erwerbsbevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt und der Sektor erwirtschaftete im selben Jahr 12,2% des BIP.

Die klimatischen und geografischen Bedingungen in dem Land ermöglichen ein breites Spektrum unterschiedlicher landwirtschaftlicher Aktivitäten und die Türkei gehört bei folgenden Erzeugnissen zu den größten Erzeugern der Welt (ohne besondere Reihenfolge): Getreide, Baumwolle, Tabak, Obst und Gemüse, Nüsse, Zuckerrüben sowie Schaf- und Ziegenfleisch. Rund 50 % der türkische Agrarfläche wird für Ackerkulturen (davon sind rund 20 % Stilllegungsflächen und 20 % bewässert), 25 % als Dauerwiesen und Weiden und 2,5 % für Dauerkulturen genutzt. Die Agrarerzeugung weist regional erhebliche Unterschiede auf.

Bei den Betriebsstrukturen in der Türkei zeigen sich Ähnlichkeiten mit einigen neuen Mitgliedstaaten und mit Bulgarien und Rumänien. Nach der Erhebung 2001 gibt es in der Türkei rund 3 Mio. landwirtschaftliche Betriebe (im Vergleich zu knapp 13 Mio. in den EU-25), von denen die meisten Familienbetriebe mit Beschäftigten aus der Familie sind. 1991 waren es noch 4 Mio. Betriebe. Die durchschnittlichen Betriebsgrößen sind an EU Standards gemessen klein (6 Hektar im Vergleich zu 13 Hektar in den EU-25). Allerdings stimmen diese Zahlen zur Anzahl der Betriebe und zur Durchschnittsgröße nicht mit der Gesamtfläche überein. Die Gründe für diese Abweichung sind nicht klar, doch könnten sie von der Nichtberücksichtigung kommunaler oder ungenutzter Flächen oder methodischen Mängeln bei der Statistik herrühren.

Subsistenz- und Semisubsistenzlandwirtschaft sind ein wichtiges Merkmal der türkischen Landwirtschaft wie auch in bestimmten Regionen der derzeitigen EU und in Bulgarien und Rumänien. Typischerweise zeichnen sich diese Betriebe dadurch aus, dass die Produktivität niedrig ist und nur ein kleiner Teil der Produktion vermarktet wird. Durch eine traditionelle Markt- und Preispolitik sind sie schwer zu erreichen, doch für die Einkommenssicherung und den Lebensunterhalt der Mehrheit der Landbevölkerung in der Türkei sind sie von entscheidender Bedeutung.

Mit dem türkischen Beitritt kämen zu den 425 Mio. Verbrauchern der EU-25 über 80 Mio. weitere hinzu, allerdings mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft unter dem Durchschnitt der EU-25.

Verglichen mit früher beigetretenen Ländern ist die Türkei größer, stärker bevölkert und ärmer. Auch ist ihr Markt stärker geschützt als die meisten anderen. Die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Landwirtschaft und ihrer Unternehmen der Ernährungswirtschaft liegt insgesamt unter den EU-Durchschnitt.

Um ordentlich bewerten zu können, inwiefern der Beitritt der Türkei vom derzeitigen GAP-System verkraftet werden könnte und wie er sich auf die Finanzen auswirkt, wäre eine tiefer greifende Analyse erforderlich, die mindestens so gründlich auszufallen hätte wie im Fall der neuen Mitgliedstaaten.

© Europäische Kommission 10/2004

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