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Kommissionsbericht zum Beitritt Ungarns
Durch umfassende institutionelle und
strukturelle Reformen gelang es Ungarn, bei tragbaren Zahlungsbilanzdefiziten ein robustes
Wirtschaftswachstum zu erzielen und die Arbeitslosenquote zu senken. Nach Strukturreformen, die
mehrere Jahre gedauert und die Entwicklung eines dynamischen, von Unternehmen in ausländischem
Besitz getragenen Ausfuhrsektors gefördert haben, konzentriert sich die Wirtschaftspolitik seit
2000 in erster Linie auf die unmittelbare Verbesserung des Lebensstandards durch Lohn- und
Rentenerhöhungen und den Ausbau der Infrastruktur durch öffentliche Investitionen, wofür ein
höheres Haushaltsdefizit in Kauf genommen wird. Die sich daraus ergebende starke öffentliche und
private Inlandsnachfrage federte den Rückgang des Wirtschaftswachstums seit dem ersten Halbjahr
2001 zum Teil ab. Das reale BIP ist von 1997 bis 2001 mit durchschnittlich 4,5 % pro Jahr stark
gewachsen. Das Leistungsbilanzdefizit erreichte 1998 mit 4,9 % des BIP einen Höchstwert und geht
seitdem kontinuierlich zurück. Dank der anhaltenden ausländischen Direktinvestitionen konnten die
niedrigen Zahlungsbilanzdefizite problemlos ausgeglichen werden. Die lange Zeit relativ hohe
Inflation begann erst zu sinken, nachdem Mitte 2001 ein Inflationsziel den sinkenden Wechselkurs
als wichtigsten geldpolitischen Anker ersetzte. Das gesamtstaatliche Defizit beläuft sich gemäß
harmonisierter EU-Standards (ESVG 95) seit 1997 auf durchschnittlich 5,4 % des BIP. Seit der
Stellungnahme hat die Bruttostaatsverschuldung von insgesamt 64,2 % des BIP im Jahre 1997 auf
53,1 % im Jahre 2001 rapide abgenommen. Durch fiskalpolitische Stabilisierungsmaßnahmen gelang es
im Zeitraum 1995-1998, ein wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen und die Grundlagen für
anschließendes starkes Wachstum zu schaffen. Seit 2001 wird zur Förderung des
Wirtschaftswachstums während der Konjunkturschwäche eine expansive Fiskalpolitik verfolgt. Die
Einführung eines gemischten privat-öffentlichen Rentensystems auf drei Säulen im Jahre 1998
stellte einen großen Schritt hin zu langfristig tragfähigen Staatsfinanzen dar. Mit der Reform
des Gesundheitswesens wurde erst begonnen; sie muss daher fortgeführt werden.
| Main
Economic Trends |
| Ungarn |
|
1997 |
1998 |
1999 |
2000 |
2001 |
Durchschnitt |
2002 (letzter Stand) |
| Reales
BIP-Wachstum |
in % |
4.6 |
4.9 |
4.2 |
5.2 |
3.8 |
4.5 |
2.9 Q1 |
|
Inflationsrate |
|
|
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| -
Jahresdurchschnitt |
in % |
18.5 |
14.2 |
10.0 |
10.0 |
9.1 |
12.4 |
6.8 June 1 |
| -
Dezember/Dezember |
in % |
18.6 |
10.1 |
11.4 |
10.0 |
6.8 |
11.4 |
4.8 June |
| Arbeitslosenquote,
Definition der Arbeitskräfteerhebung |
in % |
9.0 |
8.9 |
6.9 |
6.6 |
5.7 |
7.4 |
5.6 Q2 |
| Gesamtstaatlicher
Haushaltssaldo |
in % des BIP |
-6.8 |
-8.0 |
-5.3 |
-3.0 |
-4.1 |
-5.4 |
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|
Leistungsbilanzsaldo |
in % des BIP |
-2.1 |
-4.9 |
-4.4 |
-3.2 |
-2.2 |
-3.4 |
|
|
in Mio ECU/EUR |
-840 |
-2.059 |
-1.969 |
-1.627 |
-1.2482 |
-1.549 |
-1.799 Jan.-June3 |
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Bruttoauslandsverschuldung der Volkswirtschaft, Relation
Schulden/Ausfuhren |
in % der Ausfuhr v. Waren u.
Dienstleistungen |
116.3 |
94.7 |
95.0 |
72.5 |
: |
: |
|
|
in Mio ECU/ EUR |
21.354 |
20.0904 |
22.688 |
22.448 |
: |
: |
|
| Zufluss ausländischer
Direktinvestitionen, Zahlungsbilanzdaten |
in % des BIP |
4.8 |
4.3 |
4.2 |
3.6 |
4.7 |
4.3 |
|
|
in Mio ECU/ EUR |
1.928 |
1.815 |
1.873 |
1.837 |
2.730 |
2.037 |
474 Jan.-June5 |
| Quellen: Eurostat, ungarische
Quellen, OECD-Statistiken über die Auslandsverschuldung. |
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Gleitender 12-Monats-Durchschnitt der prozentualen Veränderungen.
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Quelle: Website der Nationalbank.
-
Quelle: Website der Nationalbank.
-
Zeitreihenbruch infolge gewisser Definitionsänderungen.
-
Quelle: Website der Nationalbank.
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Ungarn hat zu einem frühen Zeitpunkt im Transformationsprozess mit Strukturreformen begonnen
und ist auch bei den Reformen der zweiten Generation bereits weit vorangekommen. Die Reformen der
ersten Generation in den Bereichen Handels- und Preisliberalisierung sowie Privatisierung der
Produktionsunternehmen und des Finanzsektors waren bis 1997 im Großen und Ganzen abgeschlossen.
Das Land wendet sich nun der Aufgabe zu, über eine verbesserte Infrastruktur und eine höhere
Erwerbsquote die wirtschaftliche Wachstumsgrundlage zu verbreitern und auf diese Weise den
Lebensstandard in Ungarn dem EU-Schnitt anzunähern. Seit 2000 waren die Strukturreformen unter
dem sog. 'Szechenyi Plan' zusammengefasst, der bei der Tourismusinfrastruktur, dem Zugang
der KMU zur Außenfinanzierung und dem privaten Wohnungsbau erste positive Ergebnisse gezeigt hat.
Die neue Regierung kündigte an, die erfolgreichen Maßnahmen des Planes in veränderter Form
fortsetzen und die verfügbaren Mittel in erster Linie für die Entwicklung der KMU und die
Vorbereitung des EU-Beitritts einsetzen zu wollen. In einer späteren Phase würde der Plan in den
Nationalen Entwicklungsplan Ungarns integriert. Zur Beseitigung infrastruktureller Mängel, die
das größte Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung benachteiligter Regionen darstellen,
läuft ein sehr umfangreiches Programm zum Bau von Autobahnen, während die Umstrukturierung des
Eisenbahnnetzes eher langsam vorankommt. Einige noch staatliche Unternehmen werden im Hinblick
auf ihren späteren Verkauf von der Privatisierungsagentur zur Zeit umstrukturiert, doch eine
ganze Anzahl von Gesellschaften, die als strategisch wichtig eingestuft wurden, sollen im Besitz
des Staates bleiben. Die Preisliberalisierung wurde durch die Öffnung des Telekommarktes Anfang
2002 vorangebracht und soll gemäß dem im Dezember 2001 verabschiedeten Elektrizitätsgesetz ab
Januar 2003 durch eine Teilöffnung des Elektrizitätsmarktes fortgesetzt werden. In Bereichen wie
dem öffentlichen Verkehr, der Energieversorgung für Privathaushalte und bei bestimmten staatlich
bezuschussten Arzneimitteln hat sich an der strengen Regulierung jedoch nichts geändert. Das
Geschäftsklima in Ungarn ist weiterhin gut, wozu die hohe Glaubwürdigkeit der bisherigen,
erfolgreichen makro- ökonomischen Politik des Landes im Berichtszeitraum beiträgt.
Ungarn hat bei der Annäherung an das EU-Durchschnittseinkommen gute Fortschritte erzielt. Das
BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) belief sich 2001 auf 51 % des EU-Durchschnitts. Das
regionale Gefälle ist jedoch groß: Während das BIP pro Kopf in KKS in der Zentralregion im
Umkreis von Budapest 76% des durchschnittlichen EU-Wertes erreichte, waren es in der Nördlichen
Tiefebene bescheidene 32 %. In der Region Nordungarn lag die Arbeitslosenquote im Jahre 2001
immer noch bei 8,5 % (und es gibt Anzeichen für eine hohe verdeckte Arbeitslosigkeit, die
hinzuzurechnen wäre), wohingegen in Budapest und dem industrialisierten westlichen Teil des
Landes fast Vollbeschäftigung herrscht. Die Erwerbstätigenquote hat sich im Landesdurchschnitt
von 52,7 % im Jahre 1997 auf 56,6 % im Jahre 2001 kontinuierlich erhöht und zu einem Rückgang der
Arbeitslosigkeit von 8,7 % auf 5,7 % geführt. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen ist
die Erwerbstätigenquote beständig gestiegen - bei den Frauen stärker als bei den Männern, wobei
der Ausgangswert bei den Frauen niedriger war. Im Jahre 2001 lag die Arbeitslosenquote bei Frauen
(5,1 %) sogar unter der Quote bei Männern (6,3 %). Der Anteil der Langzeitarbeitslosigkeit an der
Gesamtquote ist hoch und deutet auf relativ geringe aktive Arbeitsmarktreserven hin; er ging seit
Erreichen eines Höchstwertes von 50,8 % im Jahre 1998 kontinuierlich zurück. Die
Jugendarbeitslosigkeit als Prozentsatz der Bevölkerung im Alter von 15 bis 24 Jahren war
ebenfalls seit 1997, als sie bei 6,1 % gelegen hatte, stets rückläufig und betrug 2001 nur 3,9 %.
Die Renten und Löhne, sowie insbesondere der gesetzliche Mindestlohn, der in zwei Stufen auf mehr
als die Hälfte des landesweiten Durchschnittslohns angehoben wurde, sind in den Jahren 2001 und
2002 beträchtlich gestiegen. Entsprechend verbesserte sich der Lebensstandard der gering
qualifizierten Arbeitskräfte. Sollte sich dieser Trend in größerem Umfang fortsetzen, könnte es
jedoch zu gegenläufigen Effekten kommen, indem z. B. die Lohnkosten für Teile der niedrig
qualifizierten Arbeitskräfte in bestimmten Industriezweigen zu hoch werden.
| Wichtige
Strukturindikatoren der Wirtschaft 2001 |
| Bevölkerung
(Durchschnitt) |
in Tsd. |
10,190 |
| BIP (pro
Kopf)1 |
KKS |
11,900 |
|
in % des EU-Durchschnitts |
51 |
| Anteil der
Landwirtschaft 2 an der: |
|
|
| -
Bruttowertschöpfung |
in % |
: |
| -
Beschäftigung |
in % |
6.1 |
| -
Bruttoanlageinvestitionen/BIP |
in % |
23.4 |
|
Bruttoauslandsverschuldung der
Volkswirtschaft/BIP3 |
in % |
44.6 |
| Ausfuhr von Waren und
Dienstleistungen/BIP |
in % |
60.5 |
| Bestand an
ausländischen |
in Mio/EUR |
: |
|
Direktinvestitionen |
in EUR pro Kopf4 |
: |
|
Langzeitarbeitslosenquote |
in % der Erwerbsbevölkerung |
2.6 |
|
- Den
Berechnungen wurden die Bevölkerungszahlen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
zugrunde gelegt, die sich von denen der Bevölkerungsstatistik unterscheiden
können.
-
Landwirtschaft, Jagd, Forsten und Fischerei.
- Daten
von 2000.
- Den
Berechnungen wurden die Bevölkerungszahlen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
zugrunde gelegt, die sich von denen der Bevölkerungsstatistik unterscheiden
können.
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© Europäische Kommission; Last modified 2003-03-31
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