Das BuchDie Bücher sind die Verbrechen der Schriftsteller. Sie machen sich, indem sie Bücher schreiben, für eine normale Karriere in der Gesellschaft unbrauchbar. Das schreibt Martin Walser in »Die Gallistl'sche Krankheit«. Schriftsteller sind also Verbrecher, weil sie Bücher, ihre Verbrechen, schreiben. Der Straftäter ist für die Gesellschaft unbrauchbar, sobald er straffällig geworden ist. Der Schriftsteller ist, sobald er Bücher schreibt, gesellschaftlich abgesondert, nicht direkt an besonderen Produktions- oder Dientstleistungsvorgängen beteiligt. Andererseits ist der Autor, dessen Bücher verlegt werden, produktiv, da er die Verlagsindustrie und den Buchhandel in Schwung setzt, soundsoviele Arbeitsplätze sichert. Walser leidet an der Gallistl'schen Krankheit. Es ist die Leistungskrankheit der Pawlowschen Hunde, die auf Lob Männchen machen. Die Verbrecher verweigern sich, sie machen keine Männchen. Aber was machen die Autoren? Sie machen keine Männchen, sie machen Bücher. Sie stellen ihre persönliche Misere öffentlich dar, gehen damit hausieren. Sie erregen Furcht und Mitleid beim Leser, mit dem Hintergedanken, von vielen, wenn nicht von allen geliebt zu werden. Nicht nur Eitelkeit treibt die Schriftsteller zum Schreiben. Es ist das unendliche Liebesbedürfnis. Nun vergleicht Walser den Verbrecher, der sich seiner Taten rühmt, mit dem Schriftsteller. Es gibt aber wenig Verbrecher, die wirklich stolz sind auf ihre Verbrechen. Es gibt auch wenige Schriftsteller, die stolz sein können auf ihre Bücher, da die meisten Bücher, wie die von Walser, herzlich schlecht sind. Was bleibt also vom Vergleich der Verbrecher mit den Schriftstellern? Nur die Handlungsweise. Der Verbrecher vollzieht seine Taten im Raum, wo sich hart die Sachen stoßen, - in der Wirklichkeit. Der Schriftsteller vollzieht seine Verbrechen im Reich der Dichtung und Phantasie. Er ist ein intellektueller Räuber. Er schreibt seine Verbrechen auf ein weißes Blatt Papier. Worin besteht der Unterschied? In der Prostitution! Der Verbrecher betreibt sie, der Schriftsteller befürwortet sie, er ist eine Worthure. Aber ist nicht beider Verbrechen notwendig für Staat und Gesellschaft? Der Mörder ernährt Justiz und Verfolgungsapparate, deren personelle Rädchen Gehalt, Brot und Karriere am Verbrechen verdienen. Der Autor ernährt die Verlagsindustrie und den Vertrieb. Verbrecher und Autor, wirft man sie schon zusammen in einen Topf, sind staatstragend. Keineswegs für die Gesellschaft unbrauchbar, sind Schriftsteller und Verbrecher Kristallisationpunkte, um die herum sich die Gesellschaft schart, die sie beklatscht, indem sie sie ächtet und sie ächtet, indem sie sie beklatscht. |