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Nina Stemme
Natalie Dessay
Angela Gheorghiu
Dawn Upshaw
Hilary Hahn
Martha Argerich
Carlos Kleiber

  Kolumne 2
 
 
Der Heimkehrer (FC Bayern München) Bixente Lizerazu nach dem ersten Training im Winterquartier in Dubai, Saudi-Arabien: »Es war wie immer. Oliver Kahn ärgert sich über jeden Gegentreffer und Sammy Kuffour haut alle um.«

Wesentlich kultivierter präsentiert sich der aufgehende schwedische Sopran-Stern NINA STEMME auf ihrer aktuellen Recital-CD. Die erste wichtige Isolde des 21. Jahrhunderts - nach Glyndebourne und Stockholm singt sie die Rolle der Rollen bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen und zeichnet sie in den EMI-Studios auf - fasziniert mit eindringlich gestalteten Wesendonck-Liedern von Richard Wagner. Ein bewegender Interpretations-Glücksfall, der an Heroinen wie Kirsten Flagstadt erinnert. Bei dem melancholischen Liederzyklus ihres Landsmannes Gösta Nyström und den sieben hübschen Melodien des Franzosen August de Boeck bewundert man die makellose Diktion und die traumhaft sichere Stimmführung der bravourösen Stemme. Oder wie ein französischer Kritiker schwärmt: »Et Dieux! que la voix est belle!« (Phaedra PH 92040).

Auch die in den letzten Monaten durch Stimmprobleme und zahlreiche Auftrittsabsagen in die Kultur-Schlagzeilen geratene NATALIE DESSAY hat eine Porträt-CD auf den Markt gebracht. Amor ist der einfallsreiche Titel und mit Klasse-Partnern wie Felicity Lott, Angelika Kirchschlager, Sophie Koch und dem Covent-Garden-Chefdirigenten Antonio Pappano schwelgt und jubiliert sich die zierliche Französin durch Richard Strauss-Lieder und Szenen aus dessen Bühnenwerken Ariadne auf Naxos, Arabella und Der Rosenkavalier. Grosse Melodien und virtuose Gesangskunst, verpackt als sündteure Luxus-Pralinenschachteln. Leichte Magenverstimmung bei Opern-Puritanern nicht ausgeschlossen. (Virgin Classics 54570520).

Ähnliches lässt sich auch über die brandneue Arien-CD von ANGELA GHEORGHIU mutmaßen. Für ihre zahlreichen Verehrer, die die in Theaterkreisen als Zicke verrufene Rumänin gerne schon mal als »die Göttliche« bezeichnen und damit den Vergleich mit Maria Callas nicht scheuen, sind die dargebotenen Ausschnitte von Puccini-Opern sicherlich die euphorisierende Musik-Droge schlechthin. Zweifellos besitzt die Gheorghiu eine Weltklasse-Stimme mit hocherotischer Ausstrahlung. Und dennoch: Singt hier nicht eine allzu selbstverliebt agierende Seifenopern-Darstellerin hitverdächtige Operettenmelodien? Die Kulturschickeria wird's freuen. (EMI 5578722).

Ein kleines Klassik-Wunder ist die unprätentiöse, sehr persönliche Lied-CD Voices of Light der klugen Amerikanerin DAWN UPSHAW. Zu hören sind Konzertsaalraritäten: Zerbrechliche Kunst-Lieder des komponierenden Ornithologen Olivier Messiaen, die delikaten Chansons de Bilitis von Claude Debussy und Gabriel Faurés charmanter Zyklus La Chanson d'Ève. Upshaws musikalische Sensibilität und künstlerische Reife machen daraus kostbare Zaubermusik. (Nonesuch 79812-2).

»It's good! Awfully emotional, too emotional, but I love it.« So charakterisierte ein Zeitgenosse Edward Elgars Violinkonzert von 1910. In der Tat: Die elegisch aufblühenden Kantilenen des zweiten Satzes und die halsbrecherische Virtuosität der beiden Ecksätze stehen unter spätromantischen Kitsch-Verdacht. Doch die großartige, musikalische Intellektualität besitzende HILARY HAHN entdeckt auch die dunklen Mysterien und philosophischen Tiefen in diesem geigerischen Parforceritt. Ihre phänomenale, nie zum Selbstzweck eingesetzte Technik und ihre menschliche Wärme vermittelnde Ausdrucksenergie retten Elgars Konzert vor dem zweifelhaften Etikett Schmachtfetzen. Kongeniale Partner sind das London Symphony Orchestra unter dem aufopferungswilligen Dirigenten Sir Colin Davis. (Deutsche Grammophon 474404-2).

Die grosse alte Dame des Klavierspiels, die in Buenos Aires geborene MARTHA ARGERICH hat in diesem Winter die Schallplattenkritiker zu Jubel-Rezensionen verleitet. Zu Recht: Der CD-Live-Mitschnitt von Beethovens 3.Klavierkonzert kommt einer Sensation gleich. Im Verbund mit dem im Augenblick in Bestform dirigierenden Claudio Abbado (sein Mahler ist heute im Konzertsaal konkurrenzlos) und dem elegant-geschmeidigen Mahler Chamber Orchestra zelebriert die hochmusikalische Argerich leichthändig-kristallklare, fabelhaft-leuchtkräftige Klavier-Magie. Auch Beethovens 2.Klavierkonzert wird dank Argerichs freigeistiger Souveränität zu einem an Haydn und Mozart erinnernden prachtvoll funkelnden Diamanten der Frühklassik. (Deutsche Grammophon 447502-6).

Als am 13.Juli vergangenen Jahres CARLOS KLEIBER verstarb, war die Musikwelt um einer ihrer charismatischsten Persönlichkeiten ärmer. Zum Gedenken an einen der letzten wirklich genialen Pult-Stars (und Orchestererziehers!), der schon zu Lebzeiten eine Legende war, hat die Deutsche Grammophon Live-Aufführungen auf DVD veröffentlicht. Bestaunen lässt sich jetzt die unvergleichliche Fledermaus an der Bayerischen Staatsoper, das sensationelle Neujahrskonzert 1989 mit den Wiener Philharmonikern und ein Konzert des Bayerischen Staatsorchesters mit einer fulminant-vibrierenden 4.Sinfonie von Johannes Brahms. Es ist die reine Freude diesem kompromisslosen Einzelgänger beim Musizieren zuzusehen; diesem störrischen Verweigerer eines selbstgefälligen Musik-und Kulturbetriebs, von dem Herbert von Karajan einmal sagte: »Nur wenn der Kühlschrank leer ist, nimmt er den Taktstock in die Hand.«

 
  Autor: Thomas Diener
 

Januar 2005
E-Mail: thomasbcnrouge -at- hotmail.com

 
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